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Interview mit Gerd Taube: Programmpartner und Dachverband zugleich - Ein großer Verband im Rahmen von "Kultur macht stark"

24.01.2018

Das Förderprogramm des Bundesbildungsministeriums (BMBF) "Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung" geht seit Anfang 2018 und bis Ende 2022 in die zweite Phase. In der ersten Programmphase von 2013 bis 2017 wurde "Kultur macht stark" von 32 zivilgesellschaftlichen Programmpartnern in eigenen Programmen umgesetzt. Dies ist auch in der zweiten Programmphase wieder so. Zu den Programmpartnern zählen ganz unterschiedliche Mitgliedsverbände des Deutschen Kulturrates – sehr große wie auch sehr kleine Akteure. Welche Herausforderungen bringt die Umsetzung von "Kultur macht stark" mit sich und mit welchen Erwartungen starten die Akteure in die zweite Runde?

Im nachfolgenden Interview wird stellvertretend für einen großen Bundeskulturverband Gerd Taube, Vorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) befragt. Die Fragen stellte Theresa Brüheim, Chefin vom DIenst von Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates. Das Interview ist zuerst erschienen in der aktuellen Ausgabe 1/18 von Politik & Kultur und dort auf S. 14 zu finden.

Interview mit Gerd Taube: Programmpartner und Dachverband zugleich - Ein großer Verband im Rahmen von "Kultur macht stark"

Theresa Brüheim: Herr Taube, die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) setzt seit 2013 als Programmpartner von "Kultur macht stark" das Programm "Künste öffnen Welten" um. Die Besonderheit ist, die BKJ ist ein sehr großer Verband, der mit 20 Millionen Euro eine umfangreiche Fördertranche zur Verfügung hatte. Wenn Sie heute auf die erste Förderperiode zurückblicken, was ist dabei aus der Sicht der großen Verbände gut gelaufen?

Gerd Taube: Aus Sicht der BKJ ist durch das Programm eine Vielfalt kultureller Bildung für Kinder und Jugendliche wirksam geworden. Unterschiedliche Akteure der kulturellen Bildung und weiterer Bereiche haben sich zu Bündnissen zusammengefunden, aber auch auf Bundesebene hat es Verknüpfung und Verschränkung gegeben.
Besonders ist, dass wir als BKJ nicht nur Programmpartner, sondern auch Dachverband sind. In der ersten Runde von »Kultur macht stark« sind 14 BKJ-Mitgliedsverbände Programmpartner gewesen. Wir sehen uns also auch in der dachverbandlichen Rolle mit einer Verantwortung für die Unterstützung dieser Mitglieder. Infolgedessen haben wir zunächst die Ständige Konferenz für unsere am Programm beteiligten Mitglieder eingerichtet und später für alle Programmpartner erweitert. Entsprechend schaut die BKJ auf »Kultur macht stark« immer aus zwei Perspektiven: mit »Künste öffnen Welten« aus der Perspektive des Programmpartners und mit der Ständigen Konferenz aus der des Dachverbands, der Verantwortung für den Erfolg des Gesamtprogramms übernimmt.

Gab es für Sie spezifische Probleme, welche die Umsetzung von "Künste öffnen Welten" mit sich brachte?
Was im Gedächtnis hängen geblieben ist und ich bei der Neuauflage bereits wieder beobachte, ist die Frage des Verwaltungsaufwandes. Das wird jeder sagen, der mit dem Programm vertraut ist. Gleichzeitig gibt es Beschränkungen, welche die Förderfähigkeit von Ausgaben betreffen, sodass kleinere Verbände durchaus in Schwierigkeiten kommen können. Aber auch ein großer Verband wie die BKJ musste personelle Kapazitäten zur Verfügung stellen, die eben nicht von den Projektmitteln gedeckt oder aus den Projektressourcen finanziert wurden. Das sehe ich als eine weiterbestehende Schwierigkeit an.

Was nehmen Sie aus der ersten Programmphase für Erfahrungen mit in die zweite? Worauf können Sie aufbauen?
Zum einen können wir auf der sehr guten Zusammenarbeit mit den anderen Programmpartnern aufbauen. Ich hatte ja die Ständige Konferenz schon erwähnt. Das ist nicht nur ein Format zur Koordinierung oder zum Austausch über Sorgen, sondern auch eine Plattform des fachlichen Austauschs der Programmpartner. In der Ständigen Konferenz sind die verschiedenen Programmpartner freiwillig beieinander. Sie versteht sich als eine selbstorganisierte Plattform, bei der es nicht darum geht, ob der Verband groß oder klein bzw. Initiative oder Zuwendungsgeber ist. Wichtig ist es vielmehr, zusammen Linien zu entwickeln und auf Fragestellungen zu kommen, die alle gemeinsam betreffen. So konnte ich  die Ständige Konferenz in der Anhörung zur kulturellen Bildung und zu »Kultur macht stark I« im Deutschen Bundestag vertreten, um unsere Erfahrungen mit dem ersten Programm in die Leitlinien für das neue Programm einzubringen. Auf die Initiative der Ständigen Konferenz können wir also in jedem Fall aufbauen. Selbstverständlich können wir auch bei der Neuauflage an das große Netzwerk von Programmpartnern und die Vielzahl ihrer Bündnispartner vor Ort anknüpfen.

Was ist aus Ihrer Sicht verbesserungswürdig? Sie haben schon das Problem des Verwaltungsaufwandes angesprochen. Gibt es darüber hinaus noch etwas?
Die Frage von Verwaltungs- und Administrationsvereinfachung hat – neben der Frage der Kapazitäten gerade kleinerer Träger – für uns bei der Diskussion in Vorbereitung auf "Kultur macht stark II" eine zentrale Rolle gespielt. Dass in der Neuauflage des Programms keine Lehren daraus gezogen wurden und die höheren personellen Aufwände nicht ausreichend geltend gemacht werden können, verstehe ich nicht so recht. Und dass zwei Programmpartner, die von der Jury ausgewählt wurden, aus diesen Gründen ihren Antrag nicht eingereicht haben, finde ich bedenklich und bedauerlich. Gerade weil wir diese Fragestellungen gegenüber dem BMBF deutlich adressiert haben. Wir reden hier längst nicht mehr nur über Verwaltungshürden, sondern über eine für das Programm nicht förderliche politische Steuerung durch den Staat.

Auch die Rolle der Begleitstrukturen, die installiert worden sind, sollte gestärkt werden. Der Fokus liegt bei der Umsetzung des Programms sehr stark auf den administrativen Fragen und weniger auf jenen der Fachlichkeit. An der Stelle sehen wir noch Potenzial, die Möglichkeiten zu nutzen, die das Programm bietet: Praxiserfahrung zu sammeln auch mit einer ganz bestimmten Zielgruppe, für die es spezielle Zugangskonzepte braucht, und diese Praxiserfahrung wieder reflektiert fachlich zurückzuspielen. Damit könnte man das Konzept gegenüber dem ersten Durchgang von "Kultur macht stark" verbessern.

Weitere Informationen

Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) https://www.bkj.de/

Programm "Künste öffnen Welten" https://www.kuenste-oeffnen-welten.de/

Aktuelle Ausschreibung von "Künste öffnen Welten" http://kultur-bildet.de/artikel/kuenste-oeffnen-welten-bis-28-februar-koennen-projektideen-bei-der-bundesvereinigung

Interview auf S. 14 der aktuellen Ausgabe 1/18 von Politik & Kultur

Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Bundesweit | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Frühkindliche Bildung | Textsorte: Interview |