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Vorab-Interview mit Podiumsgast Kenneth Anders, Programmleiter "Oderbruch Museum Altranft - Werkstatt für ländliche Kultur"

14.11.2017

Beim 11. Dialogforum von "Kultur bildet." am 30. November 2017 in Berlin diskutiert Dr. Kenneth Anders, Programmleiter am "Oderbruch Museum Altranft - Werkstatt für ländliche Kultur“, auf dem Podium zur kulturellen Bildung im ländlichen Raum. Ulrike Plüschke von der "Kultur-bildet."-Redaktion hat ihn im Vorfeld der Veranstaltung interviewt:

Ulrike Plüschke: Herr Dr. Anders, das Oderbruch im Osten Brandenburgs ist der größte besiedelte Flusspolder Deutschlands und eine einzigartige europäische Kulturlandschaft. Das in den 1970er Jahren gegründete Freilichtmuseum in Altranft sollte eigentlich 2015 geschlossen werden. Sie führen es seit 2016 als Programmleiter durch einen Transformationsprozess hin zum "Oderbruch Museum Altranft - Werkstatt für ländliche Kultur" – wie kam es zu dieser "Neubelebung"?
Dr. Kenneth Anders: Ich war in der Region bereits mit einem Netzwerk von Freiberuflern tätig – Kulturwissenschaftler, Künstler, Landschaftsplaner. Gemeinsam betreiben wir den Oderbruchpavillon, eine Landschaftswerkstatt, die aus einer Internetseite und Kulturprojekten zur Regionalentwicklung gebildet wird. Nun hatte die Kulturstiftung des Bundes im Fonds Neue Länder 2014 unser Theaterstück über Freiwillige Feuerwehren im Oderbruch gefördert. Die Zusammenarbeit machte beiden Seiten Freude. Genau in diese Zeit fiel die Schließungsdebatte um das Freilichtmuseum und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Die Kulturstiftung des Bundes, der Landrat, das brandenburgische Kulturministerium und viele Kommunalpolitiker einigten sich auf einen neuen Anlauf. Diese Unterstützung auf mehreren Ebenen war ausschlaggebend, sonst hätte diese konfliktbehaftete Einrichtung keine neue Chance bekommen.

Welche Rolle spielt das Programm "TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel" der Kulturstiftung des Bundes für diesen Prozess und inwiefern bereichert die Kooperation mit anderen TRAFO-Projekten Ihre Arbeit?
Durch das TRAFO-Programm verfügen wir nicht nur über mehr finanzielle Mittel für die Umbauzeit, wir stehen auch in einer größeren gesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Auf diesen Rückhalt sind wir durchaus angewiesen. Wir haben den Titel "Museum" zwar beibehalten und arbeiten auch weiterhin mit einer Sammlung und einem Bezug zur Sachkultur. Aber der Ansatz ist doch stärker auf eine Vielfalt an Perspektiven und Ausdrucksformen gerichtet. Vor allem nehmen wir das regionale Wissen sehr ernst, die Bedeutung des Fachlichen verändert sich also. Das akademische Wissen soll mit am Tisch sitzen, verliert aber seine Deutungshoheit. Ernst nach und nach haben manche begriffen, wie ernst es uns damit ist und welche Folgen das für die kulturelle Produktion hat. In den damit verbundenen Auseinandersetzungen erhalten wir durch TRAFO inhaltliches Feedback und moralische Unterstützung. Und dadurch, dass wir mit anderen Projekten in ganz anderen Regionen in regelmäßigem Austausch sind, bleibt auch der exemplarische Charakter unserer Arbeit immer im Blick: Es geht eben nicht nur um irgendeine Lösung für eine ostbrandenburgisches Museum sondern um die Leistungsfähigkeit von Kultur in der Provinz überhaupt, ob sie nun in der schwäbischen Alb, im Harz oder im Oderbruch stattfindet.

Sie sind auch Mitbegründer des Büros für Landschaftskommunikation. Was ist Landschaftskommunikation und was genau macht das Büro?
Keine Gesellschaft kann sich ohne Selbstbeschreibung entwickeln. Die ländliche Gesellschaft war früher beinahe gleichbedeutend mit dem Dorf – und um die dörfliche Kommunikation musste einem früher zwischen Kneipe, Kirche und Dorftratsch nicht bange sein. Aber seit die Dörfer als wirtschaftliche Gemeinschaften zerfallen sind, zerfällt auch die ländliche Kommunikation. Diese erneut aufzubauen und zu fördern – nicht mehr auf dörflicher, sondern auf regionaler Ebene – durch Diskurse über die Landschaften, die wir bewohnen und bewirtschaften, das ist unser Ziel. Dabei nutzen wir sowohl klassische Medien wie das Buch oder die Ausstellung als auch Theaterstücke, Salons oder das Internet.

Sie haben im Rahmen Ihrer Aktivitäten auch den Begriff der landschaftlichen Bildung geprägt - was ist darunter zu verstehen?
Kurz gesagt: Es ist kulturelle Bildung mit Landschaftsbezug. Wir engagieren uns dafür, dass Kinder und Jugendliche sowohl am Oderbruchmuseum als auch in den Schulcurricula die eigene Region besser kennenlernen und sich mit ihr schöpferisch auseinandersetzen. Wir wollen, dass junge Menschen sich ihren Raum aneignen können und in ihm Freiheit erfahren.

Vielen Dank für Ihre Antworten - wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen am 30. November!

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Weitere Informationen

museum-altranft.de

landschaftskommunikation.de

Digitale Einladungskarte für das 11. Dialogforum PDF iconeinladung_11_dialogforum_am_30nov2017.pdf

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Kategorie: 
Dialogforum
Enthalten in

Region: Brandenburg | Sparte: Brauchtum, Interdisziplinär, Literatur/ Lesen, Soziokultur | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Interview |