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Vorab-Interview mit Bärbel Rothhaar vom Bienen-Kunstprojekt "Moabees"

05.06.2018

Am 13. Juni wird Bärbel Rothhaar, Künstlerin und Co-Leiterin des Bienen-Kunstprojekts Moabees als Podiumsgast beim 12. Dialogforum zum Thema „Zukunftsfähig? Kulturelle Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ mitdiskutieren. Moabees führt Praktiken aus dem Feld des Imkerhandwerks, der Kulinarik, der Architektur, der Phantasie und des spielerischen Forschens in Kunstprozessen zusammen. Am Zentrum für Kunst und Urbanistik – dem ZK/U in Berlin-Moabit – richteten die KünstlerInnen einen urbanen Bienenstand als Headquarter ein. Im angrenzenden Garten finden Kunstworkshops mit Bienen und Kindern statt. Wir haben Bärbel Rothhaar vorab zum Projekt „Moabees“ befragt, das sie gemeinsam mit Elisa Dierson und Katja Marie Voigt seit 2013 leitet.

Ulrike Plüschke: Wie ist die Idee für das Moabees entstanden und welche Vermittlungsziele verfolgen Sie damit?
Bärbel Rothhaar: 2013 lernten wir uns über unser gemeinsames Interesse an Bienen und an Kunst kennen. Ich selbst hatte bereits viele Jahre künstlerisch mit Bienen zu tun. Katja Marie Voigt als Architektin und Künstlerin und Elisa Dierson als Kulturwissenschaftlerin und Gestalterin hatten mit „Bienenbewegung“ bereits ein sehr erfolgreiches Vermittlungsprojekt zum Thema Bienen durchgeführt. Zu dritt haben wir dann „Moabees“ entwickelt. Das Projekt sollte genau an den Schnittstellen von Imkerei, Kunstpraxis, Stadtforschung und Naturwissenschaft verortet werden. Bienen bilden eine ideale Brücke zwischen all diesen Bereichen und sind zudem anschaulich und zugänglich - auch für Kinder aus unterschiedlichen Kulturen. Wir nähern uns dem Metier häufig durch die künstlerische Praxis, durch Geschichten oder Spiele. Aber auch die reale Begegnung mit dem lebenden Insekt ist uns wichtig. Es erstaunt uns immer wieder, wie naturfern Kinder heute aufwachsen, selbst in einer doch relativ grünen Stadt wie Berlin. Speziell das Verhältnis zu Insekten ist häufig angstbesetzt. Diese Ängste abzubauen und ein entspannteres und positives Verhältnis zur Natur aufzubauen, ist uns ein großes Anliegen. Es zeigt sich immer wieder, dass damit auch andere Fertigkeiten und Wissensgebiete mit erschlossen werden, fast nebenbei und ohne den Druck, etwas leisten zu müssen.

Bildung für Nachhaltige Entwicklung und das Zusammenspielen von Umwelt- und Kultureller Bildung haben große Aktualität: Wie sehen die Zukunftspläne für Ihre Bienen-Kunstprojekte aus?
Bärbel Rothhaar: Wir planen, vor allem die außerschulischen Aktivitäten im Schulgarten Moabit auszubauen. Inzwischen arbeiten auch zunehmend geflüchtete Ehrenamtliche in unserem Projekt mit. Die gesellschaftliche und ökologische Thematik wird in den kommenden Jahren vermutlich im Vordergrund stehen. Eine politische Dimension erschließt sich über die Beschäftigung mit dem Bienenstaat. Er wird schon seit der Antike von Theoretikern als Vorbild für jede denkbare Staats- und Gesellschaftsform genutzt. Nach heutigen Erkenntnissen ist der Bienenstaat demokratisch organisiert und der Begriff der „Honeybee Democracy“ führt uns zur Frage, wie wir als Menschen zusammenleben wollen.

Neben den sozialen und politischen Fragestellungen legt die Arbeit mit Bienen auch die Beschäftigung mit der Ökologie nahe. Die Kinder werden zusammen mit uns den Lebensraum erforschen, den wir Menschen mit Tieren und Pflanzen in enger Symbiose bewohnen. Wir werden künstlerische Interventionen initiieren, die auf den Stadtraum und seine Bewohner zurückwirken.

Langfristig haben wir die Vision, am ZK/U ein „internationales Zentrum für Kunst, Bienen und Urbanistik“ (ZK/BU) aufzubauen. Damit möchten wir Bienen-Kunst und die kulturelle Bildung mit Bienen institutionalisieren, unsere Methoden weiter schärfen und sie an Pädagog*innen und Künstler*innen weitergeben. Unter anderem wünschen wir uns die Einrichtung einer temporären Künstlerresidenz für Künstler*innen, die sich auch mit Bienen beschäftigen, um das Projekt auf eine noch breitere Basis stellen zu können.

Vielen Dank für Ihre Antworten - wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen am 13. Juni!
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Weitere Informationen

http://www.baerbel-rothhaar.de/index.html

http://moabienen.berlin-bienenstadt.de/

Digitale Einladung zum Dialogforum am 13. Juni: http://kultur-bildet.de/sites/default/files/einladung_12.dialogforum_kulturbildet_13.juni_2018.pdf

Die Teilnahme ist kostenfrei. Wir bitten um Ihre Anmeldung per E-Mail an kultur-bildet@kulturrat.de bis zum 12. Juni 2018. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

 

Kategorie: 
Dialogforum
Enthalten in

Region: Berlin | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Altersübergreifend, Außerschulische Kinder- und Jugendbildung | Textsorte: Interview |