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Projekt der Woche #211: Bei Deinem Namen genannt: MARIA und NIKOLAUS

03.04.2018
 Grafik: Kulturbüro der EKD. „Nikolaus mit den drei geretteten Schülern im Bottich“, nach „Nikolaus von Myra“, 18. Jahrhundert, Pfarre Kammern im Liesingtal, Steiermark und „Maria mit dem Kind“, nach Raffael da Urbino (1483–1520): „Sixtinische Madonna“, 1512/13, Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.
Grafik: Kulturbüro der EKD. „Nikolaus mit den drei geretteten Schülern im Bottich“, nach „Nikolaus von Myra“, 18. Jahrhundert, Pfarre Kammern im Liesingtal, Steiermark und „Maria mit dem Kind“, nach Raffael da Urbino (1483–1520): „Sixtinische Madonna“, 1512/13, Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.

Mit dem Projekt "Bei Deinem Namen genannt: Maria und Nikolaus“ nimmt das Kulturbüro des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland das Motto des ersten Europäischen Kulturerbejahres 2018 "Sharing Heritage" auf. Die Ausstellung knüpft an die Benennung von Kirchengebäuden und von Personen an. In allen 16 Bundesländern gibt es im gesamten Jahr 2018 in jeweils einer Marienkirche und einer Nikolaikirche insgesamt 32 interaktive Impuls-Ausstellungen.

In diesen Impuls-Ausstellungen werden die Vielfältigkeit der Namen „Maria“ und „Nikolaus“ in den Sprachen Europas, eine Europakarte mit nach ihnen benannten Kirchen und zahlreiche Abbildungen gezeigt. Flankiert werden die bildlichen Darstellungen von Texten über die Verbindung von „Heimat und Person“, „Name und Erbe“ sowie „Kultur und Identität“. Bezüge zur Ikonografie, ein Verweis auf „Nomen est omen“ und zahlreiche Begleitveranstaltungen (Gottesdienste, Führungen etc.) vervollständigen die Ausstellungen. An den unterschiedlichen Orten wird diese Ausstellung jeweils kreativ weitergeschrieben aus der jeweiligen Kirche und der jeweiligen Stadt und lebt damit Partizipation in einer eindrücklichen Weise.

Klaus-Martin Bresgott, Initiator und Kurator, und Angelika Beer, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit beim Kulturbüro des Rates der EKD wurden von „Kultur bildet.“-Redakteurin Ulrike Plüschke befragt.

Herr Bresgott, wie ist die Idee für das Projekt entstanden und wen wollen Sie mit den insgesamt 32 Ausstellungen bundesweit erreichen?
Die Idee für das Projekt entstand mit der Frage: Wie lebendig ist unser Erbe im Alltag? Wo begreifen wir es? Wer spürt sich als Erbe – und wovon sind wir Erbe? Da angenommenes und geteiltes Erbe immer auch etwas mit der eigenen Geschichte und der daran geknüpften Identität zu tun hat, haben wir nach unmittelbaren Überschneidungen von Geschichte und Gegenwart gesucht und sind schnell bei Namen hängen geblieben. Wir erhalten unsere Namen, die oft schon sehr alt sind, aus der Vergangenheit von unseren Eltern, wir tragen sie in der Gegenwart – und wir geben sie, dann selbst als Eltern, unseren Kindern für die Zukunft mit. Was sind das für Namen? Wo kommen sie her? Was wollen wir durch sie sagen und weitergeben? Das hat uns parallel zu unserer steinernen Geschichte und unserem religiös-baukulturellen Erbe geführt – auch unsere Kirchen tragen Namen und strahlen somit doppelt in ihre Region hinein – als bauliches und als ideelles Kulturerbe. Sie vermitteln mit ihren Namen Werte und Wünsche.

Schlussendlich und beispielhaft haben wir uns für die wohl bekanntesten entschieden: Maria und Nikolaus – Namen, die teilweise schon über zweitausend Jahre alt und heute so aktuell sind, wie damals – nur dass sie sich in ihrer immerwährenden Lebendigkeit gewandelt haben und Maria heute genauso Maja oder Mia, Nikolaus heute ebenso Nico oder Niklas heißt und überall in Europa zu Hause ist als Manon, Mary oder Mieke, als Claas, Nikita oder Nils. Das macht schlagartig deutlich, wie wir mit unseren Namen tief in der Kultur und ihrer Geschichte verwurzelt sind und diese Geschichte nicht an der Stadt- oder Landesgrenze halt macht. In einer Zeit, in der wir blitzschnell über Kontonummern, Telefonnummern oder Kundennummern identifiziert werden, stehen Maria und Nikolaus somit ganz beispielhaft für unsere individuell ganzheitliche Identität, für unseren eigenen Namen, für uns selbst – und wenn wir erreichen, dass sich die Besucherinnen und Besucher am Ende nach ihrem eigenen Namen fragen und spüren, wie viel der ihnen zu sagen vermag und wie viele Bindungen er europaweit eingeht, dann ist unser Ziel erreicht und wir haben die erreicht, die wir erreichen wollen – die Neugierigen und die Fragenden, vor allem in den jüngeren Altersklassen. Aber die Älteren sind genauso angesprochen und scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen.           

Was genau können die Besucherinnen und Besucher in der Impuls-Ausstellung sehen und auf welche Weise finden die Partizipation und das Weiterschreiben statt?
Die Besucherinnen und Besucher erfahren unter anderem zunächst anhand von Landkarten, wie die Namen Maria und Nikolaus europaweit verbreitet sind – sowohl als Namen großer berühmter Kirchen als auch als Rufnamen im Alltag der europäischen Regionen. Das alles findet sich übrigens auf großen und flexibel variierbaren, umweltfreundlichen Umzugskartons, mit denen wir notwendig neue Wege der Vermittlung gehen wollen. Wir nutzen sie vielfältig aus – auf der einen Seite findet sich die Ausstellung in deutscher Sprache, auf der anderen Seite in Englisch. Die uralten Geschichten, mit den die beiden Figuren Maria und Nikolaus verbunden sind, zeigen wir anhand wichtiger Werke der europäischen Kunstgeschichte in Form moderner Illustrationen sowie mit kurzen, einprägsamen Texten, die schnell erfassbar sind und damit auch den rastlosen und eiligen Besucherinnen und Besuchern unserer Zeit ermöglichen, alles aufzunehmen. Mit Hilfe dieser Impulse führen wir sie zu der Erfahrung ideeller Erbschaft und dem intendierten Motto im Kontext des Europäischen Kulturjahres „Bei meinem Namen genannt: Ich“ – ich inmitten des großen Europa, ich als Teil dieses Kontinents. Zwischen den mit Inhalten gefüllten Kartons gibt es etliche leere, unbeschriebene Kartons – diese laden dazu ein, die eigenen Namens-Geschichten aufzuschreiben und der Ausstellung damit ein neues Kapitel hinzu zu fügen – das Kapitel der eigenen Wurzeln im europäischen Erbe, ob ich Gertrud oder Alfred heiße, Bernd oder Monika, Fin oder Lou ...

Frau Beer, die ersten Ausstellungen laufen bereits – wie sind die Rückmeldungen?
Die Ausstellungen werden sehr gut angenommen und es ist schön und bereichernd, die breit gefächerte Resonanz auf das Thema „Namen“, „Namensgebung“ und den Bezug zur Region, aus der man stammt, zu erleben. Die Besucherinnen und Besucher öffnen sich erstaunlich schnell und erzählen Geschichten, warum sie ihr Kind so oder anders genannt haben, vom Glück und manchmal auch vom Frust mit ihrem eigenen Namen. Sie finden auf der Europakarte Marien- bzw. Nikolaikirchen in der Nähe ihres Heimatortes und schon sprudeln weitere Geschichten. Bei der Ausstellungseröffnung von „Bei Deinem Namen genannt: MARIA“ in der Berliner Marienkirche waren spontan zwei Frauen aus Irland zugegen, die Mary und Moira heißen und ganz berührt davon waren, ihre Namen in der Auflistung der Maria-Variationen zu lesen und auf der Europakarte die Marienkirche in ihrem Nachbarort in Nordirland zu entdecken.

An jedem Ort entwickelt es sich anders und auf spannende Art und Weise. In Erfurt zum Beispiel wurde „Bei Deinem Namen genannt: Maria“ nach dem Ende des Ausstellungszeitraumes im katholischen Dom an den evangelischen Kirchenkreis weitergegeben, und wird nun in weiteren Kirchen in und um Erfurt herum in Thüringen zu sehen sein. Auch aus dem europäischen Ausland haben wir schon mehrere Anfragen von Marien- und Nikolaikirchen erhalten, denn das Verbindende und Verortende spricht die Menschen über die Grenzen hinaus an und macht Lust auf mehr. Der Impuls zur Beschäftigung mit dem eigenen Namen und der Herkunft wird also aufgenommen und wer vor den 125 Varianten des Namens Nikolaus bzw. den 129 Varianten des Namens Maria in der Ausstellung steht, fängt sofort an, zu überlegen wen er oder sie mit einem dieser Namen kennt und sinnt über die Varianten des eigenen Namens in den Sprachen Europas nach. Und über das kulturelle Erbe, das da drin steckt und jedem und jeder von uns mitgegeben ist.

Wann und wo sind die Ausstellungen zu sehen?
In jedem Bundesland ist "Bei Deinem Namen genannt: MARIA" in je einer Marienkirche und "Bei Deinem Namen genannt: NIKOLAUS" in je einer Nikolaikirche zu sehen:

  • 06.02. bis 29.03.: St. Marien Lübeck (Schleswig-Holstein)
  • 13.02. bis 28.03.: Hohe Domkirche St. Marien Erfurt (Thüringen)
  • 08.03. bis 01.05.: St. Marienkirche Berlin-Mitte (Berlin)
  • 20.03. bis 16.05.: St. Nikolaikirche Potsdam (Brandenburg)
  • 10.04. bis 15.06.: St. Nikolai Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern)
  • 12.04. bis 31.05.: St. Nico­lai Schmölln (Thüringen)
  • 19.04. bis 01.06.: Marienkirche Büdingen (Hessen)
  • 24.04. bis 29.06.: St. Marien Neunkirchen (Saarland)
  • 26.04. bis 20.06.: Dom St. Marien Freiberg (Sachsen)
  • 03.05. bis 24.06.: St. Marien Herzberg/Elster (Brandenburg)
  • 08.05. bis 24.06.: St. Maria Landau in der Pfalz (Rheinland-Pfalz)
  • 15.05. bis 27.07.: St. Nikolai Berlin-Spandau (Berlin)
  • 17.05. bis 28.06.: Marienkirche Reutlingen (Baden-Württemberg)
  • 24.05. bis 29.08.: St. Nikolai-Kirche Flensburg (Schleswig-Holstein)
  • 29.05. bis 27.07.: Nikolaikirche Bremen-Oslebshausen (Bremen)
  • 12.06. bis 27.07.: Maria Königin des Friedens München (Bayern)
  • 14.06. bis 06.09.: Marienkirche Rostock (Mecklenburg-Vorpommern)
  • 07.08. bis 16.09.: Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern Hamburg-Harvestehude (Hamburg)
  • 21.08. bis 04.10.: St. Nicolai Lüneburg (Niedersachsen)
  • 23.08. bis 19.10.: Alte Nikolaikirche Frankfurt am Main (Hessen)
  • 28.08. bis 05.10.: Nikolaikirche Leipzig (Sachsen)
  • 30.08. bis 31.10.: St. Nicolai Ballenstedt (Sachsen-Anhalt)
  • 04.09. bis 02.11.: St. Marien Bremen-Blumenthal (Bremen)
  • 06.09. bis 02.11.: St. Marienkirche Salzwedel (Sachsen-Anhalt)
  • 11.09. bis 09.11.: St. Marien Bonn-Nordstadt (Nordrhein-Westfalen)
  • 13.09. bis 16.11.: St. Marien Osnabrück (Niedersachsen)
  • 18.09. bis 09.11.: St. Nikolaus Rosenheim (Bayern)
  • 20.09. bis 31.10.: Nikolaikirche Heilbronn (Baden-Württemberg)
  • 25.09. bis 22.11.: St. Nicolaikirche Dortmund (Nordrhein-Westfalen)
  • 27.09. bis 16.11.: St. Marien-Dom Hamburg-St. Georg (Hamburg)
  • 16.10. bis 07.12.: St. Nikolaus Oberfell (Rheinland-Pfalz)
  • 18.10. bis 14.12.: St. Nikolaus Rehlingen (Saarland)

Weitere Informationen

www.kulturkirchen.org > Kaleidoskop > Europäisches Kulturerbejahr 2018 „Sharing Heritage“

https://sharingheritage.de/projekte/bei-deinem-namen-genannt-maria-und-nikolaus/

https://sharingheritage.de/

„Bei Deinem Namen genannt: NIKOLAUS“ in der imposanten St. Nikolaikirche Potsdam. Neben dem Karton „Nikolaus und ich“  diskutieren Anne, Sabine und einige andere über ihre eigenen Namen. Foto: EKDkultur/Andreas Schoelzel
„Bei Deinem Namen genannt: NIKOLAUS“ in der imposanten St. Nikolaikirche Potsdam. Neben dem Karton „Nikolaus und ich“ diskutieren Anne, Sabine und einige andere über ihre eigenen Namen. Foto: EKDkultur/Andreas Schoelzel
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Allgemeine News
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Region: Bundesweit | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |