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Projekt der Woche #209: 3K – Kunst, Kultur, Kommunikation

19.03.2018
Außenansicht Kilianikirche, Foto: Andreas Bank
Außenansicht Kilianikirche, Foto: Andreas Bank

Der Mühlhäuser Verein 3K – Kunst, Kultur, Kommunikation e.V. prägt mit seiner generationen- und spartenübergreifenden Arbeit schon seit 26 Jahren das Kulturleben der thüringischen Mittelstadt Mühlhausen. Mit dem Ausbau der vormals leerstehenden Kilianikirche zur eigenen Spielstätte und zum theaterpädagogischen Zentrum hat der Verein ein bedeutendes Baudenkmal der Stadt gerettet und einer neuen, kulturellen Nutzung zugeführt.

Der langjährige Leiter Bernhard Ohnesorge wurde von „Kultur bildet.“-Redakteurin Ulrike Plüschke befragt.

Ulrike Plüschke: Herr Ohnesorge, zunächst herzlichen Glückwunsch zum KULTURRIESE-Förderpreis, den Ihr Verein von der LAG Soziokultur Thüringen bereits im Dezember 2017 erhalten hat. Würden Sie bitte kurz den Verein 3K – Kunst, Kultur, Kommunikation e.V. vorstellen und skizzieren, welche Rolle die kulturelle Bildung für Ihre Arbeit spielt?
Bernhard Ohnesorge: Danke! Es war natürlich eine Riesenfreude für uns, diesen Preis zu erhalten. Genau am 1.8.91 wurde 3K-Kunst, Kultur, Kommunikation als Projekt in einem Trägerverein gegründet. Am 16.10.1997 löste sich dieses Projekt aus dem Trägerverein als eigenständiger, eingetragener Verein und ist seit dem 1.1.98 als gemeinnütziger Verein selbstständig tätig und seit 23.3.1998 auch als anerkannter Träger der Jugendhilfe.
Am Sinn und Zweck - Förderung von Kunst, Kultur sowie kulturelle Bildung und Erziehung besonders im Bereich der Arbeit mit Jugendlichen und das Wirken als Zentrum massenkultureller Angebot des Territoriums - hat sich seit 1991 nichts geändert! Der Verein hat sich aus anfänglicher reiner Förderung über den zweiten  Arbeitsmarkt zu einem anerkannten und auch kommunal geförderten territorialen Kulturanbieter entwickeln können. Durch seine Inhalte und Aktivitäten prägt der Verein seit Jahren das Kulturbild der Stadt Mühlhausen mit und ist dadurch oft Botschafter für die Stadt. Im jugendkulturellen Bereich koordiniert der Verein eigene Angebote mit gleichgelagerten Einrichtungen und Initiativen im Land Thüringen. Der Verein fungiert in der Region aber auch als Zentrum der Schultheaterarbeit (seit 1993 werden die regionalen Schultheatertage des Unstrut-Hainich-Kreises jährlich durchgeführt), seit 2008 in Zusammenarbeit mit dem „art der stadt Gotha e.V.“.
Jugendkulturelle Arbeit erfolgt jedoch nicht nur im Schultheaterbereich. Der 3K e.V. bietet Workshops, Weiterbildungsangebote, Jugendbegegnungen bis zum internationalen Rahmen. Als Multiplikator ist der 3K e.V. im Territorium beratend und vermittelnd tätig.

Wichtig ist auf jeden Fall unsere theaterpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, dessen Ergebnisse dann auch unseren Spielplan füllen. Neben Vermittlung vieler sozialer Kompetenzen sollen die Spielfreude und das Ausprobieren nicht zu kurz kommen. Unsere Angebote in der Theaterwerkstatt sind also geprägt von eigenen Inszenierungen. Aber auch interessante Gastspiele, die unserem Publikum die Vielfalt der Theaterarbeit aufzeigen sollen, holen wir immer wieder gern auf unsere Bühne. Vor allem auch von anderen Einrichtungen unserer Art aus dem Land Thüringen, so dass ein reger Austausch stattfinden kann, denn auch wir gehen gern auf Gastspieltour.

Es ist Ihnen gelungen, die leerstehende Kilianikirche als Spielstätte und theaterpädagogisches Zentrum umzubauen – würden Sie bitte kurz erläutern, wie Ihnen dieser Kraftakt gelungen ist und welche Angebote Sie als Verein nun in der Kilianikirche machen.
Ja, es ist wirklich gelungen, diesen „Spiel(T)raum“ zu verwirklichen - zunächst war es reine Selbsterhaltung. Das vorherige Domizil ließ keine künstlerische Weiterentwicklung zu, die Arbeit dort unterlag vielen Störungen und war für unsere Besucher oftmals eine absolute Zumutung. Auch die baulichen Voraussetzungen für unsere Inhalte waren nicht gegeben, eine Veränderung musste sein. Und so sahen es viele: Das Ministerium für Bildung und Kultur, die Stadtoberhäupter und viele Bürger- und geht etwas erstmal los, geschehen manchmal Wunder, findet man viele Begleiter. Dies ausführlich zu beschreiben würde hier den Rahmen sprengen. Eine Stiftung wurde gegründet, viele Förderer gesucht und gefunden, viele Ideen zum Geld sammeln verwirklicht und und und… Aber die Angebote sind im Wesentlichen die gleichen geblieben wie vorher, nun jedoch unter weitaus besseren Bedingungen für ALLE!

Wie werden diese Angebote angenommen?
Eine einfache Antwort ist hier nicht möglich, denn die unterschiedlichen Angebote werden natürlich auch unterschiedlich angenommen. Sehr gut die Angebote für Kinder – „Die Geschichte von den drei kleinen Schweinchen und dem bösen Wolf“, „Der gestiefelte Kater“ erreichten schon über 100 Vorstellungen. Oder auch zum Beispiel der legendäre „3K-Kindermitspielfasching“, die „Kilianimaus“ (Kinder übernachten in der Kirche), der Kinderstadtrundgang, die Kinderweihnachtsgastpielwoche“ u.ä.

Bei den Stücken für Erwachsene wird es schon schwieriger, hier spiegelt sich das allgemeine Verhalten der Zuschauer in ganz Deutschland. Heitere und bekannte Stücke erreichen viele Vorstellungen, bei unbekannten Titeln und anspruchsvollem Inhalt ist es schwieriger.

Workshops und Projekte in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen oder Firmen, das Mitwirken in vielen städtischen Höhepunkten, Spielaktionen für Kinder auch mehrfach am Tag an verschiedenen Orten fordern uns und bringen uns oft über die Leistungsgrenzen hinaus. Zeigt aber auch unsere Wendigkeit, Wertigkeit und unsere Eingebundenheit in der territorialen Kulturlandschaft. Und worauf wir besonders stolz sind: die Einladungen zu Festivals ist Anerkennung unserer künstlerischen Leistungsfähigkeit.

Was möchten Sie anderen Akteurinnen und Akteuren mitgeben, die Ihrem Beispiel folgen wollen und die Leerstand wiederbeleben und kulturell umnutzen möchten?
Sie brauchen als erstes dazu unbedingt den starken Glauben an eine Idee! Bei allen Träumen muss die Realität, die Machbarkeit immer Begleiter sein. Und sie brauchen viele, viele Unterstützer, Helfer, Gönner. Angefangen in der Lokalpolitik, bei allen Menschen, die was bewirken können müssen für die Idee begeistert werden. Viele müssen mithelfen den Traum zu verwirklichen, Skeptiker müssen ignoriert werden. Dran bleiben! Viele ehrenamtliche Helfer und Stunden sind nötig und nicht aufgeben, wenn der bürokratische Mechanismus einen zu überrollen droht. Nerven behalten und sich Motivatoren für schwierige Phasen suchen, immer das Ziel im Auge behalten, wenn der Weg auch steinig ist.   

Vielen Dank!

Weitere Informationen
http://3k-theaterwerkstatt.de/

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Einen Überblick über die bisherigen Projekte der Woche finden Sie hier.

25. Regionale Schultheatertage 2017, Foto: Michael Neue
25. Regionale Schultheatertage 2017, Foto: Michael Neue
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Thüringen | Sparte: Soziokultur, Theater | Thema: Altersübergreifend, Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Erwachsenenbildung | Textsorte: Projekt der Woche |