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Projekt der Woche #191: Otopia - Theatervisionen

30.10.2017
Tanzimprovisation (c) ElsterWerk
Tanzimprovisation (c) ElsterWerk

Im südbrandenburgischen Herzberg inszeniert eine Theatergruppe der Elsterwerkstätten ein Theaterstück, das auf einer selbstgeschriebenen Geschichte einer Werkstattbeschäftigten fußt. Die Stiftung ElsterWerk ist ein vielseitiges Dienstleistungsunternehmen im sozialen Sektor. Über 1000 Menschen mit Behinderung erhalten notwendige Hilfen und wirksame Unterstützung in Bildung und Arbeit, Wohnen und Freizeit, Förderung, Therapie und Begleitung. Sie steht als Dachorganisation über den einzelnen Firmen, wie z.B. den Elster-Werkstätten. Im inklusiven und generationenübergreifenden Projekt „Otopia -Theatervisionen“ will die Theatergruppe der Elsterwerkstätten unter Leitung von Kirstin Kusatz voraussichtlich 2019 ein Stück auf die Bühne bringen, das das Zusammenleben von Menschen in einer fiktiven Welt „Otopia“ zeigt. Dabei arbeitet die Theatergruppe mit unterschiedlichen Partnern aus der Region zusammen, so z.B. einer Kindertagesstätte.

Projektleiterin Kirstin Kusatz wurde von Ulrike Plüschke von der „Kultur bildet.“-Redaktion befragt.

Ulrike Plüschke: Frau Kusatz, würden Sie bitte eingangs kurz die Elsterwerkstätten vorstellen und welche Rolle für Sie die Angebote der kulturellen Bildung – zum Beispiel im Bereich Theater oder Musik - spielen.
Kirstin Kusatz: Die Elster-Werkstätten gemeinnützige GmbH ermöglichen Menschen mit Behinderungen seit 1990 die Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft. In unterschiedlichen Arbeitsbereichen wie z.B. Montage & Verpackung, Holz-und Metallverarbeitung, Gärtnerei/Ökologischer Landbau oder Druckerei arbeiten Menschen mit Handicap und werden betreut, gefördert sowie ausgebildet. Werkstattbegleitende Maßnahmen ergänzen den Arbeitsalltag und dienen als Ausgleich. Die Theaterwerkstatt bietet Werkstattbeschäftigten darüber hinaus die Möglichkeit, sich individuell kreativ oder auch künstlerisch auszudrücken. Dies kommt besonders Menschen zugute, die nicht sprechen können oder in ihrer verbalen Kommunikationsfähigkeit sehr eingeschränkt sind. Viele von ihnen haben eigene Ausdrucksmöglichkeiten auf verschiedenen Gebieten, wie z. B. Tanz, Schauspiel oder Malen gefunden. Auf der Bühne präsentieren sie letztendlich ihr Können auf unterschiedliche, oftmals sehr originelle Art und Weise. Unser Ziel ist es, die Voraussetzungen zur Errichtung eines eigenständigen Arbeits-bzw. Ausbildungsbereiches zu schaffen.

Seit wann gibt es die von Ihnen geleitete Theatergruppe und wer ist in diesem festen Ensemble?
Die Theaterwerkstatt wurde 2011 gegründet. Hierzu gehören neben dem Theaterensemble eine Musik- sowie eine Gestaltungsgruppe und ein Technikteam. Unser Ziel ist seitdem die gemeinsame Erarbeitung von Theaterstücken oder Bühnenprogrammen mit selbst gestalteten Kostümen/Requisiten und „handgemachter“ klanglicher, musikalischer Umrahmung. Zu unserem Theaterensemble gehören 17 Teilnehmer aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen mit überwiegend geistigen aber auch körperlichen Behinderungen. Sie alle verfügen über ein hohes Maß an Kreativität und haben nicht nur Freude am Schauspiel, sondern verfügen über besondere Fähigkeiten.

Wie ist die Idee für das Projekt "Otopia - Theatervisionen" entstanden? Wie ist der Stücktext entstanden und was ist der Inhalt?
Im Rahmen verschiedener Aktionen der Theaterwerkstatt entstanden Texte, Gedichte und kleine Geschichten. Inspiriert wurde die Idee zum Theaterstück von Corina Hanke, einer Teilnehmerin des Theaterensembles. Sie setzte sich inhaltlich mit den Themen „Natur“, „Untergang der Welt“ und „Visionen der Zukunft“ auseinander. In ihrer Geschichte denkt sie über das Zusammenleben der Menschen nach und lässt ein „Otopia“ entstehen.

Im Projekt spielt die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung und von Menschen unterschiedlicher Generationen eine wichtige Rolle. Könnten Sie bitte mehr dazu sagen?
Grundsätzlich möchten wir unseren Werkstattbeschäftigten die Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglichen, aber auch unsere Angebotspalette für die Region vergrößern. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, mit regionalen Institutionen, Partnern oder Künstlern zusammen zu arbeiten, verstärkt in der Öffentlichkeit präsent zu sein und für unsere Teilnehmer Begegnungen außerhalb des Werkstattlebens zu ermöglichen. Diese Interaktionen eröffnen uns neue vielfältige Möglichkeiten in direkten Kontakt zu treten. Neben wertvollen persönlichen Erfahrungen können sich die Teilnehmer ausprobieren, Verantwortung übernehmen, sich in anderen sozialen sowie spielerischen Rollen erproben, wobei sie ein unmittelbares Feedback erhalten. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass auch nach anfänglichen Berührungsängsten oftmals besondere Formen des Austausches entstehen.

Wie wird das Projekt umgesetzt und wer ist alles an der Umsetzung beteiligt?
Seit Projektbeginn arbeiten wir mit der Theaterpädagogin Rahel Thomsen zusammen. In den wöchentlich stattfindenden Theatertrainingseinheiten vermittelte sie wesentliche Grundlagen wie z. B. Improvisationstechniken, Einsatz der Stimme oder Übungen zur Körperwahrnehmung. Anschließend stellten wir die Geschichte vor und beschäftigten uns mit den darin enthaltenen Themen. Neben ausführlichen Gesprächen und Diskussionen über aktuelle gesellschaftliche und politische Probleme fanden wir in Zusammenarbeit mit dem Künstler Ararat Haydeyan eine weitere Möglichkeit, sich verschiedenen Themengebieten zu nähern. Er ermutigte die Teilnehmer, ihre Gedanken und Gefühle durch den Einsatz kreativer Medien auszudrücken. Wir malten, sägten, schrieben und formten gemeinsam. Darüber hinaus vermittelte uns Herr Haydeyan Techniken zur Gestaltung von Requisiten und Bühnenbildern. Das Thema „Emotionen“ bildete auch einen Schwerpunkt in der Theaterarbeit: Wie geht es mir? Wie nehme ich meine Gefühle und die der Anderen wahr? Wie drücke ich Trauer, Freude oder Wut aus? Ausgehend davon begannen wir ein Rollenverständnis zu entwickeln und erste Figuren zu erarbeiten. Parallel dazu befassten wir uns mit Naturklängen, um musikalische Gestaltungsformen für unser Stück zu finden. Gemeinsam mit den Kindern der Kita „Wichtelstübchen" aus Naundorf gingen wir dazu auf eine Entdeckungstour in den Wald und brachten Steine, Blätter, Stöcke u.ä. zum Klingen. In weiteren Projektstunden mit den Kindern erarbeiteten wir Lieder und instrumentale Begleitungen mit Naturmaterialien sowie Percussionsinstrumenten. Die Arbeit an unserem Theaterstück geht nun in die letzte Phase der inhaltlichen Entwicklung. Nach eingängiger Sammlung aller Ideen sowie Impulse der Teilnehmer und weiteren Improvisationen werden zum Jahresende die Szenenabläufe festgelegt. Wir sind auf das Ergebnis gespann!

Vielen Dank und weiterhin viel Freude und Erfolg!

Weitere Informationen

www.stiftung-elsterwerk.de/elsterwerk

Zu den Theaterprojekten der Stiftung ElsterWerk: http://www.elster-werkstaetten.de/betreuung-foerderung/begleitende-angebote/theaterprojekte/

Facebook-Seite der Theaterwerkstatt

Das Theaterensemble (c) ElsterWerk
Das Theaterensemble (c) ElsterWerk
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Brandenburg | Sparte: Theater | Thema: Altersübergreifend, Erwachsenenbildung, Frühkindliche Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |