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Projekt der Woche #190: LIVE-APPS - Jugend Kultur Abo

23.10.2017

Zum Schuljahr 2017/18 startet die Stadt Hannover mit dem Angebot "LIVE APPS – Jugend Kultur Abo“ ein verlässliches und qualitativ hochwertiges Angebot im Bereich Kulturelle Bildung für weiterführende Schulen. In einem Abo-Katalog wird den Schulen eine Auswahl unterschiedlicher Angebote (rezeptiv, aber vor allem produktiv) mit einem zeitlichen Umfang von in den meisten Fällen 1,5 Stunden zur Buchung angeboten. Die Angebote finden entweder in der Schule, in Stadtteilkultureinrichtungen oder aber an den Kulturorten selbst statt. Bei der Entwicklung dieses Abonnements waren die mit dem Projekt angesprochenen Zielgruppen – Lehrerinnen und Lehrer und Jugendliche – von Anfang an miteinbezogen.  Die Kulturstiftung der Länder und die Deutsche Bank Stiftung zeichnete am 21. September 2017 „LIVE APPS – JugendKulturAbo“ in der Kategorie „Programme Kultureller Bildung“ mit dem Hauptpreis DER OLYMP – Zukunftspreis für Kulturbildung 2017 aus. Die Wettbewerbs-Jury lobte dabei u.a. „die kluge Beteiligung von Jugendlichen, die Verantwortung für jüngere und gleichaltrige Kulturnutzer übernehmen.“

Projektleiterin Julia Speckmann von der Landeshauptstadt Hannover wurde von Ulrike Plüschke von der „Kultur bildet.“-Redaktion zu „Kunst & Kabel“ befragt.

Ulrike Plüschke: Frau Speckmann, zunächst Gratulation zum „OLYMP“ für das JugendKulturAbo! Wie ist die Idee für das Angebot „LIVE APPS – JugendKulturAbo“ entstanden und welche Rolle spielte dabei der Bereich Stadtteilkultur / Kulturelle Kinder- und Jugendbildung der Landeshauptstadt Hannover, in dem Sie arbeiten?
Julia Speckmann: Herzlichen Dank für die Glückwünsche! Tatsächlich freuen wir uns sehr über die Auszeichnung - nicht nur hier in der Stadtteilkultur, sondern zusammen mit den fünf am Entwicklungsprozess beteiligten Schulen und damit mit mehr als 3000 Schülerinnen und Schülern. Den OLYMP-Pokal haben wir zu einem Wanderpokal gemacht, der das Schuljahr über nun durch die fünf Schulen tingelt. Dem neuen Programm zugrunde liegt die enge Netzwerkarbeit mit Schulen, die in Hannover gar nicht neu ist und vom Sachgebiet Kulturelle Kinder- und Jugendbildung der Landeshauptstadt Hannover seit vielen Jahren verfolgt wird. Über die Jahre ist dabei sehr klar geworden, dass trotz guter Zusammenarbeit die nachhaltige Verankerung von Angeboten Kultureller Bildung in den Bildungseinrichtungen eine Herausforderung bleibt. Für jüngere Kinder wurden in den letzten Jahren zwei Abo-Angebote entwickelt: das Kükenabo für Kinder im Kita-Alter (seit 2013) und das Kinderkulturabo für Grundschulen (seit 2008) – an letzterem nehmen beispielsweise 28 Grundschulen in Hannover teil. Teilnehmende Schulen verpflichten sich, dass jede Klasse mindestens ein Angebot aus dem Abo-Katalog wahrnimmt. So kommt es jährlich zu circa 11.000 Einzelbuchungen.

Die Entwicklung einer Abo-Variante für weiterführende Schulen antwortet auf ein von diesen Schulen selbst geäußertes Bedürfnis und schließt konsequent eine bis dato vorhandene Lücke: Angesichts straffer Unterrichtspläne und wenig Zeit der Lehrkräfte kommen die Beschäftigung mit kulturell-künstlerischen Inhalten geschweige denn Ausflüge an Kulturorte oftmals zu kurz. Hinzu kommt zum einen die Qual der Wahl, also eine Orientierungsschwierigkeit in der Angebotsvielfalt sowie die Hürde, freie Kulturschaffende formal ordnungsgemäß an die Schulen zu holen. Das Abo macht es sich zur Aufgabe, an dieser Stelle eine Brücke zu schlagen und kulturelle Bildung in ihrer ganzen Bandbreite dauerhaft und nachhaltig perspektivisch in alle Schulen der Stadt zu bringen.

Und warum heißt das JugendKulturAbo eigentlich LIVE -APPS?
Das Abo garantiert Kreativität, neue Erfahrungen, Professionalität, Geschichten und Bilder, Heiteres, Tiefgründiges, Witziges, Schrilles und Stilles – zum Ansehen und Zuhören, aber vor allem auch zum selbst ausprobieren. Deswegen heißt es LIVE-APPS! Denn wir meinen, eine (Kultur)App erweitert nur dann den Horizont und macht neue Erfahrungen möglich, wenn man sie auch live erleben und selbst gestalten kann.

Wissen Sie, ob es vergleichbare Angebote auch in anderen Städten gibt oder ist Hannover hier Vorreiter?
Soweit uns bekannt, ist die Stadt Hannover mit diesem Programm tatsächlich eine Vorreiterin. Das Besondere an unserem Abo ist, dass immer die ganze Schule teilnimmt. Somit wird die Buchung nicht nur den kulturell interessierten Lehrerinnen und Lehrern überlassen, sondern die Schule garantiert, dass jede Schülerin und jeder Schüler jährlich mindestens ein Angebot aus dem Abo ausprobieren kann. Liegt dann erstmal der Abo-Katalog auf dem Tisch und sind die ersten guten Erfahrungen gemacht, kommt es dann, so hat es sich im Grundschulabo gezeigt, zu Buchungen von drei bis vier Angeboten pro Klasse pro Jahr.

Ein anderer besonderer Aspekt des Abos ist, dass wir uns bei der Umsetzung auf unsere Kolleginnen und Kollegen aus den dezentralen  Stadtteilkultureinrichtungen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren verlassen können. Sie bieten jenen Abo-Anbieterinnen und –Anbietern Räumlichkeiten, die über keine eigenen Räume verfügen. Außerdem halten sie den direkten Kontakt mit den Schulen in ihrem jeweiligen Stadtteil, übernehmen im Falle des Grundschulabos sogar die gesamte Kommunikation und betreuen die Buchungen.

Derzeit arbeiten wir an einer Lösung, Buchungen auch über ein Buchungsportal abwickeln zu können, das auf unser Gesamtkonzept Kulturabo zugeschnitten ist und das Ganze zu einem sicherlich auch auf andere Städte übertragbaren Konzept macht – auch für die Städte, die kein solches Stadtteilkultur-Netzwerk besitzen. Andere, interessierte Städte können sich da gerne bei uns melden!

Wie war der Entstehungsprozess von LIVE APPS und in welcher Form waren die späteren Nutzerinnen und Nutzer der künftigen Angebote involviert?
Insgesamt hat die Entwicklung des nun vorliegenden Abos circa ein Jahr gedauert. Das Abo ist nicht im Alleingang und nur am Schreibtisch entstanden, sondern im Prozess und unter Einbindung derer, für die es gedacht ist: Von Anfang an wurden die Lehrkräfte miteinbezogen und Inhalte und Formate besprochen sowie mögliche Fallstricke diskutiert. Besonders wichtig aber war uns die Einbindung und Befragung der Schülerinnen und Schüler selbst - ihre Themen und Wünsche sollen ernstgenommen und umgesetzt werden. Daher haben wir zu mehreren Aktionen eingeladen: zu einer großen Ideenwerkstatt mit mehr als 120 Schülerinnen und Schülern, zu Test-Workshops für einzelne Klassen, zu Online-Befragungen sowie Begegnungen auf dem Schulhof in der Pause. Fünf Schulen wurden so beteiligt, eine pro Schulform: eine Integrierte Gesamtschule, eine Förderschule, ein Gymnasium, eine Ober- und eine Realschule.

Besonders intensiv war die Zusammenarbeit mit der Jugendjury, zu der wir bei der Ideenwerkstatt eingeladen hatten. Zusammen mit den Jugendlichen haben wir über mehrere Termine in der Kleingruppe weiterdiskutiert: Wie sehen die Ergebnisse der Ideenwerkstatt aus? Wie können diese mit dem bisherigen Netzwerk/mit bislang recherchierten möglichen Abo-Angeboten abgeglichen werden? Was wäre darüber hinaus interessant? Zusammen mit dem beauftragten Grafikbüro hat die Jugendjury außerdem das Layout für den Katalog entwickelt.
Auch das weitere Vorgehen sieht eine kontinuierliche Jury-Einbindung vor, u.a. für eine Evaluation nach dem ersten Abo-Jahr.

Im laufenden Schuljahr 2017/18 können fünf Schulen aus Hannover das Angebot nutzen und ab dem Schuljahr 2018/19 sollen weitere Schulen hinzukommen. Nach welchen Kriterien werden diese ausgewählt?
Vier der fünf Projektschulen befinden sich im gleichen Stadtbezirk. Einerseits sind wir damit systematisch gut gestartet und könnten uns vorstellen, so weiter die Stadt zu erschließen. Auch wünschen wir uns weiterhin, die verschiedenen Schulformen möglichst ausgewogen miteinzubeziehen. Andererseits liegt es uns natürlich besonders am Herzen, Schulen die Teilnahme zu ermöglichen, deren Schülerinnen und Schüler bisher wenig kulturelle Teilhabe erfahren haben. Aber selbstverständlich dürfen sich auch Schulen bei uns melden, die bereits ein kulturelles Schulprofil besitzen und für die die Teilnahme am JugendKulturAbo ein sinnvoller Baustein darin ist. Glücklicherweise haben wir für dieses erste Jahr viele tolle Abo-Anbieterinnen und -Anbieter gefunden und für die Zukunft auch noch weitere auf einer Warteliste. Wenn Angebot und Nachfrage zueinander passen, dürfen alle mitmachen.

Wie finanziert die Stadt Hannover dieses Angebot?
Pro Abo-Angebot zahlt jede Schülerin und jeder Schüler drei Euro. Jugendliche mit einem HannoverAktivPass müssen keinen Beitrag entrichten. Die Kosten übernimmt der Fachbereich Soziales der Landeshauptstadt Hannover. Durch den Beitrag der Schülerinnen und Schüler bzw. den Mittel aus dem HannoverAktivPass trägt sich das Programm zu einem Großteil selbst. Ein Anteil z.B. für die Öffentlichkeitsarbeit, Materialkosten oder die entstehende Finanzierungslücke durch kleinere Gruppen wird aus dem Budget des Bereichs Stadtteilkultur, Kulturelle Kinder- und Jugendbildung der Stadt Hannover finanziert.

Vielen Dank!

Weitere Informationen:

„LIVE APPS – JugendKulturAbo“

Abo-Katalog

DER OLYMP – Zukunftspreis für Kulturbildung 2017

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Hier finden Sie einen Überblick aller bisherigen Projekte der Woche.        

Die Schülerinnen und Schüler formulieren ihre Wünsche an das zukünftige JugendKulturAbo, (c) Kulturelle Kinder- und Jugendbildung/Stadtteilkultur, Landeshauptstadt Hannover, Foto: Isabel Winarsch
Die Schülerinnen und Schüler formulieren ihre Wünsche an das zukünftige JugendKulturAbo, (c) Kulturelle Kinder- und Jugendbildung/Stadtteilkultur, Landeshauptstadt Hannover, Foto: Isabel Winarsch
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Sparte: Interdisziplinär | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |