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Projekt der Woche #185: Henry

18.09.2017

Henry – der virtuelle Musikkurator von PODIUM Esslingen – ist ein Pionier in der klassischen Musikszene. In seiner eigenen App stellt er jede Woche ein sorgfältig ausgewähltes Musikstück vor – in Kombination mit einem Podcast, der in persönliche Geschichten rund um die Musik eintaucht. Zugleich bietet die App passend zum Werk weitere Begleitmaterialien wie Playlists, Videos und Links. Seit dem 25. August und noch bis zum 13. Oktober 2017 bietet Henry mit „Musik wie sie fragt” bereits die achte selbst produzierte Podcast-Serie, mit der PODIUM Esslingen weiterhin Impulse im digitalen Raum setzt. Im Mittelpunkt der Serie steht die Frage: “Wann hattet ihr das letzte Mal eine Frage an die Musik?”

Julian Stahl, Leiter der Digitalsparte von PODIUM Esslingen wurde von Ulrike Plüschke von der "Kultur bildet."-Redaktion zum Projekt befragt.

Ulrike Plüschke: Herr Stahl, würden Sie bitte eingangs PODIUM Esslingen vorstellen – das ja einerseits das PODIUM Festival in Esslingen umfasst und andererseits eine Reihe von Angeboten zur kulturellen Bildung im Bereich der klassischen und zeitgenössischen Musik (offline und online) vereint.

Julian Stahl: PODIUM Esslingen wurde 2009 als kleines, alternatives Kammermusikfestival junger Menschen gegründet. Daraufhin hat sich aus dem Festival heraus in wenigen Jahren eine vielseitige Plattform für Innovation im Bereich klassischer und zeitgenössischer Musik entwickelt. Unter dem Motto Musik wie sie will entstehen so erlebnisnahe und interdisziplinäre Konzerte, sowie diskursive und experimentelle Formate. Das Flaggschiff ist nach wie vor das alljährlich stattfindende Festival, das als Showcase zahlreiche neuartige Produktionen, Programme und Experimente zeigt. Daneben bildet ein umfangreiches Education-Programm einen weiteren Schwerpunkt. Auch zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland sowie die PODIUM-Satellitenfestivals im Kloster Bebenhausen (Tübingen) und Radialsystem V (Berlin) sind Teil unseres umfangreichen Jahresprogramms. Mit PODIUM.Digital und dem virtuellen Musikkurator Henry haben wir darüber hinaus 2016 eine eigene Digitalsparte ins Leben gerufen, in der künstlerische Formate für den digitalen Raum erkundet werden. Ganz neu hinzugekommen ist gerade aktuell das große Fellowship-Programm #bebeethoven, dass ein weiteres Element dieses Zukunftlabors für die Fragen des Musikschaffens im 21. Jahrhundert bildet.

Welche Rolle spielt das Digitale für Ihre Musikvermittlungsaktivitäten? Was genau bietet in diesem Rahmen Ihre App „Henry“?

Der digitale Raum und Streaming-Angebote wie Spotify oder YouTube sind die primären Kanäle, über die junge Menschen inzwischen Musik entdecken. Das Smartphone ist zum ständigen Begleiter und damit auch längst zu einem wichtigen Medium der Musikvermittlung geworden. Die klassische Musikszene hat bisher allerdings noch kaum Antworten auf die rasante Digitalisierung des Hörens gefunden. Anspruchsvolle und künstlerisch hochwertige Inhalte haben es auf den gängigen Plattformen sehr schwer: es fehlt die Kuration und der Kontext, durch die klassische und zeitgenössische Musik erschlossen werden können. Künstlerisch hochwertige Inhalte müssen gerade im Digitalen besonders sorgsam ‚inszeniert’ und kontextualisiert werden, sonst gehen sie in der Fülle der Angebote unter. Um junge Menschen für klassische Musik zu begeistern, bietet der digitale Raum, zusätzlich zum Konzerterlebnis, ganz neue Möglichkeiten der Musikvermittlung. Diese zeitgemäße und für junge Menschen anschlussfähige Form der kulturellen Bildung im digitalen Raum muss kreativ und innovativ mit den transmedialen Möglichkeiten der Kuration, Inszenierung und Kontextualisierung von Musik umgehen. Unser virtueller Musikkurator Henry will mit einer spannenden Auswahl von Musikstücken und interessanten Podcasts den digitalen Raum für klassische Musik gezielt ausbauen. So möchten wir auf diesem Weg noch mehr junge Menschen erreichen und mit klassischer Musik vertraut machen.

Seit Ende August und noch bis zum 13. Oktober sendet „Henry“ wöchentlich mit „Musik wie sie fragt” bereits Ihre achte selbst produzierte Podcast-Serie? Was erwartet die Hörerinnen und Hörer?

Wann hattest du das letzte Mal eine Frage an die Musik? Die Frage steht im Mittelpunkt unserer aktuellen Serie. Henry wirft dabei scheinbar unermüdlich immer wieder Fragen auf und lädt uns ein, gemeinsam mit ihm diesen Fragen nachzugehen. „Siehst du was du hörst? Oder hörst du was du siehst?“, „Wie klingt deine Kindheit?“ oder „Wie klingt Melancholie“ waren nur die ersten drei von insgesamt acht Fragen, denen Henry in der Serie nachgeht. Manche der Fragen tragen wir schon lange mit uns herum, über andere stolpern wir und manche würden wir einfach gerne weitergeben. Der Fokus liegt dabei mehr denn je auf Henrys Podcast, der durch redaktionelle Texte und weiteres Begleitmaterial ergänzt wird. In den weiteren Folgen streifen wir gemeinsam noch durch mehrere Epochen, treffen interessante Menschen, Orte und Begebenheiten. Antworten sind dabei ungewiss. Aber vielleicht braucht die Musik diese auch gar nicht so sehr.

Seit wann gibt es Henry und wie ist das Feedback seitens der Nutzerinnen und Nutzer? Welche Altersgruppen nutzen Henry?

Henrys Angebot an seine Hörerinnen und Hörer gibt es inzwischen seit ziemlich genau einem Jahr, die aktuelle Serie ist schon die insgesamt achte. Insgesamt wurden inzwischen 38 einzelne Folgen veröffentlicht. Die musikalischen Inhalte wurden insgesamt über 25.000-mal aufgerufen. Auf unseren Social-Media-Kanälen von PODIUM Esslingen und Henry freut uns besonders die hohe Interaktion unserer jungen Zielgruppe – 65 % unserer Nutzerinnen und Nutzer sind zwischen 18 und 30 Jahren alt. Auch die hohe mediale Resonanz und die Auszeichnung von Henry als Trendmarke des Jahres 2016 im Rahmen der Europäischen Kulturmarkenawards bestätigen uns einerseits auf unserem Weg, sind anderseits aber vor allem Motivation weiter an unserem digitalen Angebot zu arbeiten.

Apropos Altersgruppen – das Podium Festival versteht sich als kleines, alternatives Kammermusikfestival junger Menschen. Erreichen Sie allgemein ein jüngeres Publikum als andere Kammermusikfestivals und wenn ja, welche Altersgruppe(n) sind das?

Sowohl beim Festival als auch bei unseren zusätzlichen Angeboten ist es uns ein besonderes Anliegen für unsere Generation Zugänge zur Musik zu schaffen. Dabei freut es uns immer wieder, dass wir aufgrund unserer verschiedenen Konzertformate, deren bewusste Gestaltung ein zentrales Elemente unseres Festivals ist, sowohl klassisches als auch junges Publikum erreichen. Dadurch ist das Alter des Publikums weit gestreut – von unseren erfolgreichen Education Projekten mit Esslinger Schulen über experimentelle Formate an off-Spielorten, zu denen vor allem ein Publikum zwischen 18 und 40 Jahren kommt, bis hin zu Konzerten an traditionelleren Spielorten, bei denen all die verschiedenen Altersgruppen vertreten sind.

Vielen Dank! 

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Weitere Informationen

Homepage PODIUM Esslingen: podium-esslingen.de

Projektseite Henry: https://www.henry.podium-esslingen.de/

Projektseite #bebeethoven: bebeethoven2020.com

PODIUM Esslingen wird getragen durch die gemeinnützige PODIUM Musikstiftung Esslingen und das Projekt Henry ermöglicht durch die Unterstützung der Karl-Schlecht Stiftung: www.ksfn.de/

Hier finden Sie einen Überblick über die bisherigen "Projekte der Woche".

Impression des PODIUM Festivals, Foto: Leonard Higi
Impression des PODIUM Festivals, Foto: Leonard Higi
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Baden-Württemberg | Sparte: Musik | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |