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Projekt der Woche #154: LOHRO - new home

13.02.2017
Die Interkulturelle Redaktion live im Sendestudio: Wöchentlich wird die mehrsprachige Sendung gemeinsam vorbereitet, einmal im Monat gehen die Mitglieder mit selbst produzierten Radiobeiträgen auf Sendung; Foto (c) Interkultureller Workshop
Die Interkulturelle Redaktion live im Sendestudio: Wöchentlich wird die mehrsprachige Sendung gemeinsam vorbereitet, einmal im Monat gehen die Mitglieder mit selbst produzierten Radiobeiträgen auf Sendung; Foto (c) Interkultureller Workshop

Das Rostocker Mitmachradio LOHRO hat seit Herbst 2016 im Rahmen seiner Interkulturellen Redaktion gemeinsam mit Menschen mit Migrationshintergrund ein Online-Guidebook erstellt, welches unter der Rubrik „New Home“ auf der Website www.lohro.de auf Deutsch, Englisch und Arabisch viele wichtige Infos zum Ankommen, Leben und Einleben in der Hansestadt bietet.

Bereits seit 2012 ist der „Interkulturelle Workshop“ bei LOHRO aktiv. In wöchentlichen Workshops treffen sich die Teilnehmer/innen und erarbeiten gemeinsam mehrsprachige Radiosendungen für Rostock, die jeden zweiten Samstag im Monat ab 12.00 Uhr gesendet werden. Im Workshop lernen die Teilnehmer/innen, wie man fürs Radio recherchiert, Interviews gestaltet, Beiträge produziert und letztendlich mit einer eigenen Sendung an den Start geht. Vorkenntnisse sind nicht notwendig.

Das Mitmachradio LOHRO realisiert seit 2005 ein 24-stündiges Vollprogramm an sieben Wochentagen als nichtkommerzielles Lokalradio. In über 30 Wort- und Musikredaktionen engagieren sich Menschen von 8 bis 80 Jahren, aus unterschiedlichsten Branchen, Ländern und Milieus. Mit seinem neuen Projekt „New Home“ regt LOHRO nun auch verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund zum Mitmachen an, die erst seit kurzem in Rostock sind.

Ulrike Plüschke hat mit der Geschäftsführerin des Senders, Kristin Schröder, ein Interview geführt.

Ulrike Plüschke: Frau Schröder, wie ist das Projekt entstanden?
Kristin Schröder: Die Idee ist aus reiner Beobachtung entstanden. Migrant/innen, die der deutschen Sprache gar nicht oder kaum mächtig sind, informieren sich über das Internet. Aber Internetseiten, die Neuankömmlingen in Rostock ihre neue Heimat vorstellen? Fehlanzeige. Zwar gab es einzelne Internetseiten, die Links, Infos oder Kultur-Termine anboten. Aber eine Seite, die aktuelle und lokale Nachrichtenthemen, Kultur-Termine und die Entstehungsgeschichte Rostocks erklärt – und das auf Arabisch, Englisch und Deutsch – die fehlte.

Welche Arbeitsmethoden und -etappen gab es, wie wurden die Inhalte erstellt?
Zunächst haben wir diverse Migrant/innen gefragt, ob sie mitmachen wollen. Viele Mitmacher/innen aus der Interkulturellen Redaktion hatten spontan Lust und fanden die Idee gut. Gemeinsam hat diese Gruppe dann die Inhalte für die Seite festgelegt. Als übergeordneter Schwerpunkt stand immer die Frage: „Welche Informationen benötigst du, um in Rostock eine neue Heimat zu finden?“

Die Rubriken wurden entwickelt, strukturiert und skizziert. Dann wurden Ansprechpartner/innen und Quellen ermittelt. Beispielsweise haben wir mit der örtlichen Agentur für Arbeit gesprochen, mit der größten Wohnungsgenossenschaft vor Ort und mit diversen Kultur- und Sport-Einrichtungen sowie mit der Integrationsbeauftragten der Hansestadt. Die Fotos wurden von einem engagierten Fotografen mit Migrationshintergrund und den Teilnehmer/innen der Interkulturellen Redaktion angefertigt. Die technische Umsetzung wurde von der LOHRO-Webgruppe gemeinsam mit den Teilnehmer/innen umgesetzt.

Auch die Übersetzung ins Englische und Arabische sind ja sehr wichtig und aufwändig – wie wurde dies umgesetzt und vor allem wie finanziert?
Übersetzt haben zwei Anglistik-Studentinnen und ein Syrer mit Deutschkenntnissen aus der Gruppe. Die deutschen Texte wurden von der Anleiterin final zusammengestellt und an die die Übersetzer/innen übermittelt. Finanziert wurden die Honorare für die Übersetzungen durch die Förderung von Fonds Soziokultur.

Wie wird „New Home“ von den Hörerinnen und Hörern angenommen? Gibt es Ideen, das Ganze zur erweitern oder auf andere Lokalradios auszudehnen?
Wir verarbeiten die Inhalte von „New Home“ in unserer monatlichen Sendung. Die Website ist also ein Pendant zur mehrsprachigen Sendung, die in Rostock beliebt ist. In erster Linie richtet sich „New Home“ aber an User, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind und auch von der Sendung noch nichts wissen. Neuankömmlinge sind aus der Erfahrung heraus vor allem im Netz unterwegs und beziehen daraus ihre Informationen. Das LOHRO-Programm ist zu 98 Prozent deutsch – deshalb ist ein Großteil der gewünschten Zielgruppe momentan nicht erreichbar. Aber wir arbeiten daran: Bald soll eine regelmäßige arabische Sendung für Rostock starten.

Außerdem ist die Seite noch relativ unbekannt, weil sie gerade fertig geworden ist. Wir haben sie bisher noch gar nicht beworben. Darauf konzentrieren wir uns jetzt im laufenden Quartal, ebenso wie auf die Aktualisierungen der Seite. Mittelfristig sollen weitere Inhalte hinzukommen. Beispielsweise soll das „Rostock Wiki“, eine Art Rostock Lexikon, mit Begriffen zur Hansestadt erweitert werden. Wir könnten uns auch eine neue Rubrik vorstellen, die in kleinen Teilen die deutsche Bürokratie verständlich macht. Langfristig soll eine weitere Sprache hinzukommen. Welche genau, das ist abhängig vom Bedarf und den richtigen Übersetzer/innen – wahrscheinlich werden es russisch oder polnisch werden, da dies in Rostock besonders häufig gesprochen wird. Über den Bundesverband Freier Radios sind wir mit anderen Freien Radios in Kontakt, insbesondere mit dem „Refugee Radio Network“. Hier sind sicherlich Synergien denkbar.

Noch eine abschließende Frage: Wie finanziert sich LOHRO als nichtkommerzielles Lokalradio allgemein und wie wurden die Kosten für „New Home“ gestemmt?
Ohne eine Förderung durch den Fonds Soziokultur wäre das Projekt „New Home“ kaum umsetzbar gewesen: Wir mussten viele Honorare, zum Beispiel für die Übersetzungen, und eine professionelle Projektleitung einsetzen, damit zielführend gearbeitet wird. Und Radio LOHRO selbst hat leider keine Grundfinanzierung als Radio, sondern beantragt jährlich immer wieder Projekte, die die laufenden Kosten wie Miete und Signalübertragung jeweils anteilig übernehmen können. Es ist schwierig, LOHRO über Wasser zu halten und immer wieder um die Finanzierung zu kämpfen. Zum Glück haben wir 520 Fördervereinsmitglieder und rund 150 Ehrenamtliche, die immer zur Stelle sind oder spenden, wenn sie gebraucht werden.

Vielen Dank!

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Alle bisherigen Projekte der Woche finden Sie hier.

Einige Mitglieder der interkulturellen Redaktion bei Radio LOHRO. Die Redaktion hat die multilinguale „New Home“-Seite auf www.lohro.de unter fachlicher Anleitung gemeinsam umgesetzt; Foto (c) Interkultureller Workshop
Einige Mitglieder der interkulturellen Redaktion bei Radio LOHRO. Die Redaktion hat die multilinguale „New Home“-Seite auf www.lohro.de unter fachlicher Anleitung gemeinsam umgesetzt; Foto (c) Interkultureller Workshop
Kategorie: 
Allgemeine News
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Region: Mecklenburg-Vorpommern | Sparte: Interdisziplinär, Medien, Musik | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |