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Projekt der Woche #153: Rhythmusreise um die Welt

06.02.2017
Teilnehmer der "Rhythmusreise um die Welt", Foto (c) Kreismusikschule Schleswig-Flensburg
Teilnehmer "Rhythmusreise um die Welt", Foto (c) Kreismusikschule Schleswig-Flensburg

Seit Sommer 2013 und noch bis zum Sommer 2017 bietet die Kreismusikschule Schleswig-Flensburg das Projekt „Rhythmusreise um die Welt“ an und erreicht damit Kinder und Jugendliche, die sonst nicht in die Musikschule kommen würden. Das Projekt realisiert die Musikschule gemeinsam mit den lokalen Bündnispartnern Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein e.V. Ortsverein Schleswig und der Dannewerkschule - Gemeinschaftsschule der Stadt Schleswig im Rahmen der Förderung durch das BMBF-Programm „Kultur macht stark“. Dabei verantwortet die Kreismusikschule die Projektleitung, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit und Koordination und stellt die pädagogische Fachkraft sowie das Instrumentarium bereit. Die Dannewerkschule stellte ihre Räumlichkeiten nach den Regelschulzeiten zur Verfügung und spricht potentielle Teilneherinnen und Teilnehmer an. Die Arbeiterwohlfahrt nutzte ihre Kontaktmöglichkeiten im Sozialraum Schleswig-Süd zur Akquise und Kontaktpflege der Teilnehmer und Familien, vermittelte Betreuungshelfer mit sozialpädagogischem Hintergrund und stellte ehrenamtliche Helfer für die Betreuung. Die wöchentlichen Probenarbeiten fanden mit durchschnittlich 10 - 12 Kindern in der Altersstufe 10 - 17 Jahre, davon ach Jungen und vier Mädchen statt. Es wurde mit verschiedenen Rhythmusinstrumenten und der Arbeit mit Körper und Stimme ein Repertoire erarbeitet, welches bei diversen Veranstaltungen zur Aufführung kam.

Ulrike Plüschke von der „Kultur bildet.“-Redaktion hat Willi Neu, den Direktor der Kreismusikschule Schleswig-Flensburg, zum Projekt befragt.

Ulrike Plüschke: Herr Neu, welches Ziel verfolgen Sie mit dem Projekt? Wen erreichen Sie damit?
Willi Neu: Ziel ist, Verbindungen zu schaffen, zwischen Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher sozialer Herkunft, immer mehr aber auch unterschiedlicher Länder. Musik ist hier das verbindende Medium – es nehmen manchmal Jugendliche teil, die nur ein paar Wörter Deutsch sprechen, aber durch die Musik bekommen sie einen sofortigen Zugang zur Gruppe. Nach Auslaufen der Förderung durch "Kultur macht stark" wird eine Fortführung des Projektes angestrebt.

Wie fügt sich das Projekt „Rhythmusreise um die Welt“ in das Gesamtprogramm Ihrer Musikschule ein und was ist daran anders als an anderen Angeboten?
Anders ist, dass es kostenfrei ist – eine für viele Teilnehmende große Barriere also wegfällt und dadurch ganz andere Kinder und Jugendliche teilnehmen als man normalerweise in der Musikschule trifft Es muss sich auch niemand anmelden, man kann einfach sofort teilnehmen. Die Ideen, was gespielt wird, kommen oftmals von den Teilnehmenden. Einmal fing ein Junge an, arabisch verschnörkelt einen Salat zu besingen, es kam alles hinein, was er an deutschen Wörtern kannte – dazu wurden schnell Klavierstimmen entwickelt und ein paar einfache Rhythmen getrommelt. Schon war ein äußerst origineller Song fertig, so etwas passiert in der Musikschule doch eher selten...

Welche Instrumente kommen zum Einsatz und welches Repertoire wird erarbeitet? Spielen dabei interkulturelle Aspekte eine Rolle?
Derzeit nehmen teil: ein Schlagzeuger, zwei Pianistinnen, ein Beatboxer, ein Bassist, zwei Gitarristinnen, eine Violinistin sowie verschiedene Percussionisten, die Djembe, Congas und ähnliche Instrumente spielen. Was ursprünglich als Percussion-Ensemble begann, hat immer mehr Band-Charakter angenommen. Derzeit wird ein arabisches Stück erarbeitet, das einer der Teilnehmenden aus seiner Heimat mitgebracht hat. Interkulturelle Aspekte dominieren sogar oft das Geschehen, da der Anteil der Teilnehmenden mit Migrationshintergrund bei etwa 50 % liegt.

Wie kommt das Projekt bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an? Wie sind Ihre Erfahrungen: wirkt die Rhythmusreise als Einstieg in eine weitere musikalische Praxis, d.h. bleiben die Kinder und Jugendlichen dran und machen mit anderen Kursen und Instrumenten weiter?
Überwiegend kommt es sehr gut an – wir haben Teilnehmende, die fast von Anfang an dabei sind und noch immer große Freude daran finden. Dabei lernen sie über die Jahre natürlich auch eine ganze Menge. Einige bringen schon Instrumental-Erfahrungen mit, die meisten aber lernen hier erste Grundlagen. Dranbleiben sieht dann so aus, dass die interessierten Kinder und Jugendlichen weiterhin den Kurs besuchen. Versuche gab es aber schon, Instrumentalunterricht anzuregen, aber da mangelte es bisher immer an der Unterstützung der Eltern. Ein Mädchen beispielsweise hat ein so außergewöhnlich ausgeprägtes Rhythmusgefühl, dass der Projektleiter den Eltern dringend eine eingehende Förderung empfohlen hat. Da gab es von Seiten des Vaters aber keine Unterstützung – in anderen Kulturen wird eben noch anders gedacht. Ein Schlagzeug spielendes Mädchen ist da schlichtweg unvorstellbar – es hat sich noch nicht einmal getraut, diesen Wunsch zu Hause zu äußern.

Vielen Dank!

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Alle bisherigen Projekte der Woche finden Sie hier.

 

 

Teilnehmer der "Rhythmusreise um die Welt", Foto (c) Kreismusikschule Schleswig-Flensburg
Teilnehmer der "Rhythmusreise um die Welt", Foto (c) Kreismusikschule Schleswig-Flensburg
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Schleswig-Holstein | Sparte: Musik | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung | Textsorte: Projekt der Woche |