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Projekt der Woche #151: Porta Nigra – Porta Colorata

23.01.2017
Öffentliche Ausstellung verschiedener Entwürfe, Foto (c) transcultur e.V.
Öffentliche Ausstellung verschiedener Entwürfe, Foto (c) transcultur e.V.

In der rheinland-pfälzischen Stadt Trier, deren Wahrzeichen die antike Porta Nigra ist, gestalten seit 2014 Grundschulkinder kreative Tore und bringen dadurch sich und ihre Wohngebiete „ins Zentrum“. Tore haben eine ganz besondere Bedeutung und Symbolkraft: Ort des Willkommens (aber auch des Abgrenzens) in die eine Richtung, Öffnung zur „weiten Welt“ in die andere Richtung.

Der Verein transcultur – Verein für transkulturelle Aktiviäten e.V. will mit „Porta Nigra – Porta Colorata“ eine kreative, positive Beziehung zwischen der Porta Nigra, dem bekannten Wahrzeichen im Zentrum der Stadt Trier mit drei „sozialräumlich stigmatisierten“ Stadtteilen schaffen: Bildungsferne Kinder im Grundschulalter aus drei Stadtteilen mit besonderem Förderbedarf entwerfen und erstellen unter professioneller Anleitung für ihren jeweiligen Stadtteil und gemeinsam für die Stadtmitte ein originelles, kreatives Tor.

„Porta Nigra -Porta Colorata“ ist kooperatives Bildungsprojekt, das durch das Programm „Künste öffnen Welten“ der Bundesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wird. Projektpartner des Vereins transcultur sind: Grundschule Ambrosius, Quartiersmanagement Trier-Nord, Treffpunkt am Weidengraben, Jugendzentrum auf der Höhe, Spiel und Lernstube Walburga-Marx-Haus, Keune Grundschule. Die Projektlaufzeit dauert von Februar 2014 bis Februar 2017.

Ulrike Plüschke von der „Kultur bildet.“-Redaktion hat den Projektleiter und Künstler Jean-Martin Solt interviewt:

UP: Herr Solt, was ist das Ziel des Projekts „Porta Nigra – Porta Colorata“?

JMS: Die Erschaffung von originellen kreativen Toren in drei Stadtteilen, die – um es freundlich zu formulieren - nicht gerade ein besonders hohes Ansehen genießen -, um deren stark negativ geprägtes Image aufzubessern und durch die symbolische Verbindung mit dem Wahrzeichen in der Stadtmitte stärker in das gesamtstädtische Gefüge einzubinden, ist an sich ein wichtiges Ziel. Dennoch und gleichzeitig ist dies aber vor allem ein Mittel, um grundlegendere Ziele, die sich auf die Zielgruppe der dort lebenden Kinder und Jugendlichen beziehen, zu erreichen. Das Projekt möchte sie zu einer gemeinsamen/solidarischen Aktion anregen, ihnen die Möglichkeit bieten und sie motivieren, ihre eigene Kreativität zu erfahren, sie dadurch ermutigen, ganz allgemein Bildungsangeboten offener gegenüberzustehen, diese wahr- und anzunehmen und sich kreativen Möglichkeiten/ Herausforderungen zu stellen. Mit dem Projekt sollen zudem nicht nur soziale Grenzen, sondern auch Hemmungen, sich aus dem Stadtteil zu wagen, abgebaut werden, was wiederum ihre Zugangsmöglichkeiten zur Bildung und ihre gesellschaftliche Teilhabe erleichtern und erweitern wird.

Wichtig ist für uns, dass sie diese Dualität (individuell und kollektiv hinterlassene Spur) sowie die (Aus-)Wirkungen ihres Engagements (ihres Einflusspotentials) nicht nur auf sie und ihr eigenes Leben, sondern auch auf den Stadtteil und die Stadt klar erfahren können.

UP: Wie sieht die konkrete Umsetzung aus? In der Bildergalerie auf Ihrer Website sind zahlreiche künstlerische Interpretationen des Themas Tor mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken zu sehen – könnten Sie bitte darauf kurz eingehen.

JMS: Auch wenn uns zu Beginn des Projektes viele AnsprechpartnerInnen das eigentlich nicht wirklich „abnehmen“ wollten, hatten wir tatsächlich keinerlei konkrete VORAB-Vorstellungen oder gar Entwürfe von Toren. Der Ansatz, dass wir uns als rein künstlerisch-methodische HelferInnen einbringen und inhaltlich der Kreativität der Kinder und Jugendlichen nicht vorgreifen werden, stand nicht nur auf dem Papier, sondern war Ausdruck unserer tiefsten Überzeugung. Diese Tatsache in Verbindung mit dem Ziel, nicht nur PRODUKT- , sondern auch PROZESSorientiert zu denken und den Teilnehmenden ein breitestmögliches Experimentier- und Erfahrungsfeld mit kreativen Methoden und Techniken zu gewähren, führte zwangsläufig zur Verwendung ganz unterschiedlicher Materialien und Methoden. Dank der Tatsache, dass das Vorhaben ja mehrjährig (2014-2017) angelegt war und zudem an verschiedenen Standorten von einem Team von KünstlerInnen aus unterschiedlichen Bereichen begleitet wurde, kam dieser Beschäftigung mit sehr unterschiedlichen Materialien und Methoden sehr entgegen. An unterschiedlichen Standorten kamen zum Teil auch unterschiedliche Techniken und Materialien zum Einsatz, so gab es tatsächlich Zeit und Raum genug, sich jeweils intensiver damit zu beschäftigen: Papier, Zahnstocher bis große Bambusstäbe, Kartons und Obstkisten, Metall, Holz in allen Größen und Formen, Ton, Gips, Zementmörtel, Draht, Mosaiktechnik, …

Damit konnte auch sichergestellt werden, dass Kinder, die nicht drei Jahre dabei sein werden, sogar Kinder, die nur ein Jahr dabei sind, dennoch neue Erfahrungen und/oder Kompetenzen mitnehmen, also auch eine zeitlich begrenzte Teilnahme an sich sinnvoll ist.

UP: Wie ist die Resonanz der beteiligten Grundschulkinder und ihrer Familien?

JMS: Da eines unserer Ziele darin bestand, das Image der Stadtteile – und natürlich damit das Selbstwertgefühl der Stadtteil-BewohnerInnen – aufzuwerten, war es uns von Anfang an ein wichtiges Anliegen, dieses Vorhaben ‚offensiv öffentlichkeitswirksam‘ anzugehen, es in die jeweiligen Stadtteile zu tragen, damit die BewohnerInnen sich wiederum so stark wie möglich damit identifizieren. Durch das Bündnis und die Vernetzung der AkteurInnen und Partnereinrichtungen des Projektes mit den anderen Einrichtungen und AkteurInnen der jeweiligen Stadtteile, die Einbeziehung der Eltern, die Ausstellungen und regelmäßigen Berichte ist uns das recht gut gelungen, und die Resonanz ist sehr positiv. Sollte es tatsächlich zur Errichtung der jeweiligen „Porta Colorata“ in den Stadtteilen kommen, wäre dies natürlich ein ganz besonderer Erfolg und würde diesem Ziel in besonderem Maße entgegenkommen. 

UP: Gibt es bereits Tore, die im Stadtraum errichtet wurden?

JMS: Das Experimentieren mit sehr unterschiedlichen Materialien hat dazu geführt, dass sich die Entwürfe, auf die sich die Gruppen an den jeweiligen Standorten geeinigt haben, in Form, Technik und Material sehr stark unterscheiden: Ein Torbogen aus in Zement gegossenen Platten der zuvor in Ton erarbeiteten Entwürfe auf einem Metallgerüst, ein großes buntes Tor aus Holzbalken mit entsprechenden kreativen Elementen und eine Kombination von Sandstein, Natur und Mosaik-Arbeiten.

Leider ist das Errichten solcher Werke an sehr hohe – verwaltungstechnisch sehr aufwendige, zeitraubende und zum Teil auch kostspielige – Bewilligungsverfahren und Auflagen (Statik, Sicherheit, Kletterschutz, langfristige Unterhaltungspflichten usw.) gebunden, so dass – zumindest in der Laufzeit und mit den Finanzmitteln des Projektes - die Errichtung der Tore „in echt“ an zwei Standorten kaum möglich sein wird. Diese wird es also zunächst nur als – immerhin größere - Modelle geben. Hier zeichnen sich aber Möglichkeiten ab, dass diese Tore im Rahmen der laufenden Umstrukturierungen der Stadtteile (Bundesprogramm „Soziale Stadt“) doch noch errichtet werden könnten. Das dritte erwähnte Werk mit Sandstein und Mosaik-Arbeiten allerdings scheint sich noch während der Projektlaufzeit realisieren zu lassen.

Alles in allem bleiben wir also auch hinsichtlich der Errichtung der Tore „in echt“ durchaus optimistisch … auch wenn es vielleicht noch etwas dauern wird!

Fortsetzung folgt! 

UP: Vielen Dank!

Weitere Informationen:

Projektbeschreibung

Fotogalerie des Projekts

 In Zement gegossene Platten für einen Torbogen entstehen, Foto (c) transcultur e.V.
In Zement gegossene Platten für einen Torbogen entstehen, Foto (c) transcultur e.V.
Kategorie: 
Allgemeine News
Enthalten in

Region: Rheinland-Pfalz | Sparte: Bildende Kunst | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |