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Olaf Zimmermann zum Aktionstag „Kultur gut stärken“

17.05.2013
Olaf Zimmermann. Foto: Kulturrat

Am 21. Mai veranstaltet der Deutsche Kulturrat den dritten bundesweiten Aktionstag „Kultur gut stärken“. Seit 2011 wird der Aktionstag vom Kulturrat anlässlich des UNESCO-Welttages zur kulturellen Vielfalt ausgerufen. Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und andere Veranstaltungen sollen die kulturelle Vielfalt in Deutschland sichtbar machen und ein deutliches Zeichen gegen Kulturabbau setzen. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Kulturrats, äußert sich im Gespräch zu den Hintergründen des Aktionstags.

Den Aktionstag „Kultur gut stärken“ gibt es in Deutschland nun zum dritten Mal. Wie hat sich diese Aktion entwickelt?

Olaf Zimmermann: Der Aktionstag hat sich inzwischen zu einem Markenzeichen entwickelt. Er steht für den UNSECO-Welttag der kulturellen Vielfalt, der viele Jahre wenig Beachtung in Deutschland gefunden hat. Keiner wusste ja, dass der 21. Mai seit mehr als zehn Jahren der internationale Tag der kulturellen Vielfalt ist. Seit wir nun zum dritten Mal dieses Datum für den bundesweiten Aktionstag nutzen, vermitteln wir, dass es diesen internationalen Tag gibt. Viele Menschen finden es spannend, gerade an diesem Tag etwas zu veranstalten.

Was passiert an dem Tag?

Zimmermann: Wir haben den 21. Mai ja unter ein Motto gestellt, die „Kulturelle Bildung“. Es gibt zwei Sorten von Veranstaltungen bzw. Aktionen: zum einen diejenigen, die sich wirklich mit dem Thema „Kulturelle Bildung“ beschäftigen. Hier zeigen die Menschen, was es alles in diesem Bereich gibt, was zum Beispiel in einer Stadt gemacht wird. In Görlitz etwa wird die ganze Stadt auf den Beinen sein. Man wird Kulturspaziergänge machen, man will sich selbst als Bürgerin, als Bürger darüber informieren, was die eigene Stadt zu bieten hat. Viele Kulturzentren, gerade auch die kulturellen Bildungsangebote, werden vorgestellt.

Zum anderen sehen wir, dass sich der 21. Mai immer mehr zu einem Tag entwickelt, an dem auch auf die Not im Kulturbereich hingewiesen wird. Institutionen, Städte oder ganze Länder nutzen den Tag, um darauf aufmerksam zu machen, was dort gerade passiert. In diesem Jahr ist das natürlich ganz besonders das Land Sachsen-Anhalt, weil dort massive Kulturkürzungen bevorstehen. Dort gibt es Demonstrationen in den großen Städten Magdeburg, Halle und Dessau. Aber auch in Trier zum Beispiel gibt es große Probleme bei der Theaterfinanzierung, und auch dort werden öffentliche Protestkundgebungen stattfinden. Für solche Aktionen sucht man sich eben auch gerne diesen 21. Mai, den Tag der kulturellen Vielfalt, aus.

Wird mit dem diesjährigen Motto „Kulturelle Bildung“ eine konkrete politische Forderung verknüpft?

Zimmermann: Es wird damit sehr klar gemacht, dass man kulturelle Vielfalt dauerhaft nur erreichen kann, wenn auch die kulturelle Bildung vorher in ausreichendem Maß stattgefunden hat. Das eine hängt mit dem anderen unmittelbar zusammen. Wenn ich keine kulturell gebildeten Menschen habe, wird man auch den Sinn und die Notwendigkeit kultureller Vielfalt nicht mehr empfinden können. Dann wird man sie auch gesellschaftlich dauerhaft nicht durchsetzen können. Kulturelle Bildung ist die Voraussetzung für kulturelle Vielfalt. Das wollen wir an diesem Tag zeigen.

„Kulturelle Bildung“ ist ein Thema, das derzeit in vieler Menschen Munde ist. Wie beurteilen Sie die Situation? Wird genug getan? Gibt es genug Geld und politische Unterstützung?

Zimmermann: Nein. Das Thema „Kulturelle Bildung“ ist eines dieser verrückten zwiespältigen Themen, die wir in unserem Land diskutieren. Alle Menschen nicken freundlich mit dem Kopf und sagen: „Ja, das wollen wir.“ Es gibt keinen Politiker, der sagen würde, dass wir kulturelle Bildung nicht brauchen. Alle sagen, dass sie sich dafür engagieren, dass man eigentlich mehr kulturelle Bildung bräuchte – aber die Wirklichkeit sieht vollkommen anders aus.

Wir sehen ja bei verschiedenen gesellschaftlichen Themen, im Kulturbereich vielleicht wirklich am deutlichsten bei diesem Thema der kulturellen Bildung, dass der Wunsch und die Wirklichkeit sehr weit auseinander gehen. Wir reden alle von kultureller Bildung, aber zum Beispiel in den Schulen findet immer weniger kulturelle Bildung statt. Dauernd wird gesagt, es sei notwendig, dass alle mit kultureller Bildung in Berührung kommen; aber wenn wir uns die Situation einmal genau anschauen, erreichen wir die bildungsfernen Schichten mit unseren Bildungsangeboten unglaublich schwer. Das ist bedauerlich, und ich habe die Hoffnung, dass der 21. Mai auch auf diese Situation aufmerksam macht. Der Tag soll also nicht nur ein Wohlfühl-Tag sein, sondern auch das Bewusstsein dafür schärfen, dass in diesem Bereich noch eine Menge getan werden muss.

Was machen Sie selbst am 21. Mai?

Zimmermann: Am Vormittag haben wir hier in Berlin eine Pressekonferenz, auf der noch einmal der ganze Tag vorgestellt wird, auf der wir auch unsere Postkarten-Fotoaktion präsentieren und die Preisträger küren. Am Abend wird dann das Thema „Kulturelle Bildung“ in einem eigenen Dialogforum hier in Berlin im Podewil diskutiert werden. Wir planen dort eine Veranstaltung mit dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Stefan Dorgerloh, der die Position der Länder zum Thema Kulturelle Bildung referieren wird. Dann wird es eine hoffentlich spannende, hoffentlich auch widerborstige Diskussion geben. Wir wollen dieses Thema gerade am 21. Mai auch mit einer hochkarätigen politischen Diskussion besetzen.

Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Altersübergreifend, Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Erwachsenenbildung, Frühkindliche Bildung, Schulische Bildung, Seniorenbildung | Textsorte: Interview |