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"Musik und Integration" - Interview mit Stephan Schulmeistrat zum neuen MIZ-Informationsportal integration.miz.org

15.03.2018
Projekt „Folklang“, Foto: Tobias Döhner/Folklang
Projekt „Folklang“, Foto: Tobias Döhner/Folklang

In unserer Rubrik "News Dialogforum" greifen wir die Themen unserer Dialogforen auf und befragen im nachfolgenden Interview Stephan Schulmeistrat, den Leiter des Deutschen Musikinformationszentrums (MIZ) zum neuen Informationsportal „Musik und Integration“. Das unter http://integration.miz.org erreichbare Angebot ging Ende Februar 2018 online und führt erstmals umfassende Informationen zu musikalischen Flüchtlingsprojekten bundesweit zusammen. Es bietet wertvolle Hilfestellungen sowie Möglichkeiten der Recherche, des Austauschs und der Vernetzung.

Stephan Schulmeistrat wurde von „Kultur bildet.“-Redakteurin Ulrike Plüschke befragt.

Herr Schulmeistrat, wie ist die Idee für das neue Portal entstanden und welche Ziele wollen Sie damit erreichen?
Der Impuls für das neue Portal „Musik und Integration“ geht letztlich auf die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrats zurück, die 2015 in einer Resolution Stellung zu den damaligen Flüchtlingsbewegungen bezog und gleichzeitig auf die zentrale Rolle der Musik hinwies, die Kommunikation auf einer nicht sprachlichen Ebene in einzigartiger Weise ermöglicht. Schon damals hatte das MIZ das große Engagement des Musikbereichs, das sich in dieser ersten Zeit der sogenannten „Willkommenskultur“ manifestierte, gemeinsam mit dem Generalsekretariat des Deutschen Musikrats evaluiert und zusammengetragen. Zum Vorschein kam eine bundesweit beeindruckende Fülle an Hilfsangeboten, die die spezifischen Möglichkeiten der Musik für die Begegnung mit Geflüchteten nutzen – von Instrumentenspenden und kostenlosem Musikunterricht über gemeinsame Musizier- und Patenschaftsprojektebis zu Benefizkonzerten und musiktherapeutischen Angeboten. Integration wurde und wird dabei als kultureller Austausch verstanden, als Begegnung der Kulturen. Es geht um das Kennenlernen des jeweils Anderen, und darum, die kulturelle Vielfalt, die in diesem Land ja schon seit langem zu Hause ist, zu leben und weiterzuentwickeln.

Das MIZ hat viele dieser Projekte in enger Zusammenarbeit mit einem Kreis von Experten in den letzten Jahren intensiv begleitet. Dabei hat sich gezeigt, dass das große Engagement, das anfangs oft aus dem Stehgreif und ohne besondere Vorkenntnisse im Umgang mit Geflüchteten entstand, noch besser unterstützt werden muss, und zwar insbesondere durch verstärkte Kommunikation und Austausch unter den Akteuren der Szene. Das war der zentrale Ausgangspunkt für unser neues Portal „Musik und Integration“. Wir wollen damit den vielen Akteuren und Veranstaltern musikbezogener Flüchtlingsprojekte wertvolle Hilfen vermitteln und durch Information und Vernetzung dazu beitragen, die Qualität der angebotenen Maßnahmen nachhaltig zu stärken. Die Erfahrungen vieler ehrenamtlich und professionell Tätiger zeigen, dass unter den Akteuren integrativer Angebote ein hohes Bedürfnis danach besteht.

An wen richtet sich das Portal – wer soll es nutzen?
Das neue Portal zielt in erster Linie auf die Akteure in der musikalischen Flüchtlingsarbeit, daher ist das Angebot auch nur in deutscher Sprache verfügbar. Es geht uns darum, den Austausch anzukurbeln: Wer hat beispielsweise interessante Erfahrungen zu einem bestimmten Thema gesammelt? Wo sind Arbeitsmaterialien oder Praxishilfen entstanden, die möglicherweise auch in anderen Projekten eingesetzt werden könnten? Wie erreiche ich überhaupt eine Zielgruppe? Welche interkulturellen Hürden könnte es geben, und wo bekomme ich finanzielle und organisatorische Unterstützung? Für all diese Fragen versuchen wir mit unterschiedlichsten Informationsmaterialien, Hilfestellungen zu geben. Viele Projekte arbeiten inzwischen unter anderem deshalb erfolgreich, weil sie auch aus Problemen nützliche Erfahrungen sammeln konnten. Das ist ein großes Potenzial, das  die Plattform des MIZ nun auch anderen Veranstaltern zur Verfügung stellt, damit Chancen besser genutzt werden können. Wir wollen darüber hinaus aber auch Interessierten aus einer überregionalen Sicht heraus vermitteln, wie musikalische Integrationsarbeit in Deutschland aktuell funktioniert: Was wird angeboten? Wer sind die Träger, welche Ziele haben die Projekte und welche Probleme können auftreten? Wir beschäftigen uns mit einem kultur- und gesellschaftspolitisch hochaktuellen Thema, das sich in einem stetigen Fluss befindet und uns noch lange begleiten wird. Zumal die Themen Flüchtlinge und die Partizipation sozial Benachteiligter am kulturellen Leben ja auch einige Schnittmengen aufweisen.

Welche Inhalte sind bisher im Portal zu finden?
Wir haben zunächst eine bundesweite Datenbank aufgebaut, in der Veranstalter und Akteure ihre Projekte vorstellen können. Diese Projekte und Initiativen sind durch exakte Verschlagwortungen recherchierbar. So können Sie beispielsweise nach inhaltlich-systematischen Kriterien, aber auch nach geografischen, also Bundesländern, Orten und Umkreisen, oder nach Terminen und einzelnen Veranstaltern suchen. Eine Deutschlandkarte hilft dabei, die Ergebnisse zu lokalisieren.
Ergänzend dazu haben wir ein ebenso umfassendes Angebot an weiterführenden Informationen zusammengetragen. Sie finden bei uns wissenschaftliche Fachbeiträge, die sich mit der Rolle der Musik als Medium in der Integrationsarbeit beschäftigen oder konkret die Praxis und die Herausforderungen von Projekten beschreiben. Auch das immer stärker an Bedeutung gewinnende Thema der Fort- und Weiterbildung wird ausführlich beleuchtet. Sie finden darüber hinaus Kurzportäts zu ausgewählten Initiativen aus ganz Deutschland und Interviews, bei denen sowohl Veranstalter als auch Teilnehmer zu Wort kommen und ihre Geschichten und Erfahrungen erzählen. Es gibt eine große FAQ-Sammlung, die wir gemeinsam mit dem Landesmusikrat NRW, einem der wichtigsten Akteure der Szene, erarbeitet haben. Die Themen reichen hier von Fragen der Projektkonzeption und Kommunikation bis hin zu Aspekten der Qualifizierung und Weiterbildung. Wir haben dazu zahlreiche Link- und Literaturempfehlungen zusammengestellt und kulturpolitisch relevante Studien, Dokumente und Stellungnahmen recherchiert. Wir beleuchten das Thema also von vielen Seiten.

Wie können sich Interessierte mit ihren Inhalten am Portal beteiligen?
Jeder, der im Bereich der musikalischen Integrationsarbeit aktiv ist, kann sich auf den Seiten anmelden und seine Projekte und Informationen mit anderen teilen. Für den direkten Austausch steht ein geschütztes Forum zur Verfügung. Sie können hier Fragen diskutieren, Anregungen geben, sich inspirieren lassen oder einfach andere Akteure kennenlernen und mit ihnen in Kontakt treten. Wir wünschen uns und hoffen, dass die Szene mit dem neuen Angebot des MIZ einen zentralen Ort des Austauschs und der Kommunikation findet.

Vielen Dank!
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Weitere Informationen

Informationsportal "Musik und Integration" https://integration.miz.org/

Deutsches Musikinformationszentrum (MIZ) http://miz.org/

Deutscher Musikrat https://www.musikrat.de

Kategorie: 
Dialogforum
Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Musik, Soziokultur | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Interview |