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„Kinder zum Olymp“: Kongress zur Qualität kultureller Bildung

08.04.2013
Margarete Schweizer. Foto: Privat

„Perfekt? Zur Qualität kultureller Bildung für Kinder und Jugendliche“. So lautet der Titel des 6. Kongresses, den die Initiative „Kinder zum Olymp“ der Kulturstiftung der Länder  am 13. und 14. Juni 2013 in Hannover veranstaltet. Mit einem Auftakt-Workshop vor Beginn des Kongresses, mit Vorträgen, Podiumsgesprächen, Präsentationen, mit acht parallel stattfindenden Foren und öffentlichen Unterrichtsstunden soll das Thema, methodisch wie inhaltlich breit gefächert, diskutiert werden. Zu den Gästen gehört unter anderem der Schriftsteller und bildende Künstler Feridun  Zaimoglu, der das Thema in seinem Eröffnungsvortrag „Ich, Kultur, Kultur-Ich“ biografisch angehen wird.
Unser Interview mit Margarete Schweizer, Projektleiterin von „Kinder zum Olymp“, beleuchtet Inhalte und Ziele der Veranstaltung.

Erklären Sie uns kurz die Ziele von „Kinder zum Olymp“?

Margarete Schweizer: „Kinder zum Olymp“ ist eine Initiative zur Förderung kultureller Bildung für Kinder und Jugendliche. Die Initiative entstand in der Kulturstiftung der Länder aus dem Bewusstsein heraus, dass eine Stiftung, deren Auftrag die Bewahrung von Kunst und Kultur ist, sich auch dafür verantwortlich fühlen muss, dass das Wissen um Kunst und Kultur und der kreative Umgang mit den Künsten Teil der Bildung ist. Unser Schwerpunkt ist explizit die kulturelle Bildung in der Schule, weil alle Kinder dort erreicht werden, nicht nur die, die von ihren Eltern ohnehin schon zur Beschäftigung mit Kultur angeregt werden.

Es geht Ihnen auch um Kooperationen zwischen Schulen und anderen Institutionen?

Schweizer: Ja. Die Schulen klagen häufig darüber, dass sie mit dem „Sahnehäubchenbereich“ Kunst und Kultur überfordert sind. Deswegen wollen wir sie auf den Riesenfundus an externen Kooperationspartnern aufmerksam machen, nicht nur Institutionen kultureller Bildung, sondern auch Kulturinstitutionen, Museen, Theater, Konzerthäuser… Diese Kulturinstitutionen haben ja auch einen Bildungsauftrag.

Für die Erreichung dieses Ziels haben wir verschiedene Bausteine entworfen. Dazu gehören unsere Kongresse, die alle an einen Tisch bringen, die sich mit dem Thema befassen. Daraus hat sich ein intensives Netzwerk entwickelt.

Welche Ergebnisse, Wirkungen können Sie beobachten, wenn Sie sich die Kongressthemen von 2004 bis 2011 anschauen?

Schweizer: Die Titel unserer Kongresse lassen schon eine Entwicklung erkennen. Der erste Kongress hieß „Zur Notwendigkeit ästhetischer Bildung von Kindern und Jugendlichen“. Darüber machen wir uns heute keine Gedanken mehr. Es geht nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“. Über die Jahre hat sich eine „blühende Landschaft“ entwickelt, so dass es jetzt Zeit ist, nach der Qualität zu fragen. Nicht jedes Angebot ist gut, nur weil es das Etikett „kulturelle Bildung“  trägt.

Die allgemeine Datenlage zum Thema ist bisher dünn. Im nationalen Bildungsbericht 2012, der immerhin den Schwerpunkt Kulturelle Bildung hatte, finden sich zur Frage der Qualität nur sehr dürftige Informationen.

Gibt es im Vorfeld des Kongresses einen definierten Qualitätsbegriff, bestimmte Qualitätskriterien, die Sie ansetzen?

Schweizer: Es gibt natürlich einen Kriterienkatalog, den wir in Vorbereitung des Kongresses formuliert haben. Da geht es um die Originalität eines Projekts, um den künstlerischen Ansatz ebenso wie um die pädagogische und die Prozess-Qualität. Ferner zählt der Faktor der Partizipation, der Kooperation zum Beispiel zwischen Schule, Kita und/oder Kultureinrichtungen – und natürlich die Nachhaltigkeit und Wirksamkeit der Projekte. Ein weiteres Kriterium ist die Übertragbarkeit: Wie müssen Projekte und Programme aussehen, die sich auch in anderen lokalen und strukturellen Kontexten umsetzen lassen?

Unser Fokus liegt allerdings weniger auf der theoretischen Auseinandersetzung mit diesen Kriterien. Wir wenden uns vielmehr explizit auch an die Praktiker. Wir wollen ihnen etwas an die Hand geben, damit sie wissen, wie sie qualitätsvolle Projekte realisieren,  und wie sie diese Qualität messen und halten können. Deshalb beginnen wir den Kongress mit einem Praktiker-Workshop,  mit konkretem Training zum Qualitätsmanagement. 

Wie wollen Sie erreichen, dass der Kongress auch eine Plattform für den Austausch bietet?

Schweizer: Unsere Zielgruppe sind vor allem Akteure aus der Praxis aller kulturellen Sparten, aus den Schulen und auch aus der Verwaltung in Ländern und Kommunen. Die Foren, die innerhalb des Kongresses eine zentrale Rolle spielen, sind keine Frontalveranstaltung. Wir organisieren sie als "World Cafés" oder "Fishbowls", denen die Referenten ihr Thema jeweils nur anreißen und anschließend ein Austausch mit allen Teilnehmern stattfindet.

Ein wichtiger Aspekt gerade bei den Kongressforen ist übrigens, dass man auch aus Schaden klug wird. Reine Erfolgsgeschichten gibt es nicht. Die Referenten werden ermutigt, in ihren Beiträgen auch über Probleme,  oder sogar über ein Scheitern zu berichten. Die Dinge, die nicht so gut geklappt haben, werden meistens vergessen oder unter den Teppich gekehrt. Dabei kann man für nachfolgende Projekte gerade auch aus den Fehlern der anderen ganz viel lernen.

 

 

Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Altersübergreifend, Aus- und Weiterbildung, Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Schulische Bildung | Textsorte: Interview |