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Interview mit Dr. Sabine Homilius, Leiterin der Stadtbücherei Frankfurt Main

12.12.2016

Wir freuen uns, dass auch Dr. Sabine Homilius, Leiterin der Stadtbücherei Frankfurt am Main im Vorfeld des 9. Dialogforums für ein Kurzinterview zur Verfügung stand. Das 9. Dialogforum „Kultur bildet.“ zum Thema "Migration + Kulturelle Bildung = Chance? Diversitätsentwicklung im Kulturbereich" findet am Mittwoch, den 14. Dezember 2016 um 19 Uhr im Podewil Berlin statt. Weitere Informationen

Lesen Sie hier das Kurzinterview:
"Kultur bildet.": Frau Dr. Homilius, seit 2004 leiten Sie die Stadtbücherei Frankfurt am Main und waren im Wesentlichen für deren Reorganisation verantwortlich? Welche Zielgruppen erreichen Sie und welche nicht?

Sabine Homilius: Frankfurts Bevölkerung ist bunt gemischt, hier leben Menschen aus rund 170 verschiedenen Nationen und mehr als 200 sprachlichen und kulturellen Traditionen.
Rund 40 Prozent der Frankfurter Bevölkerung haben heute einen Migrationshintergrund; in einigen Stadtteilen wie im Gallus oder im Gutleutviertel und besonders in der jungen Generation liegt der Anteil bei nahezu 50 Prozent, mit steigender Tendenz.
An den in Frankfurt geborenen Kindern lässt sich die interkulturell geprägte Stadtgesellschaft deutlich ablesen: Zwei Drittel der Neugeborenen haben mindestens einen ausländischen Elternteil. Die Stadtbücherei hat fast 51.000 aktive Leserinnen und Leser, das sind etwa 7 % der Bevölkerung. Hier können wir noch besser werden, erreichen doch andere deutsche Großstadtbibliotheken bis zu 10 %. 16.000 Leserinnen und Leser sind unter 12 Jahren, 5.300 über 60. Jährlich verzeichnen wir 1.4 Mio. Besuche in den öffentlichen Bibliotheken der Stadtbücherei. Und eine Tatsache begleitet uns wie viele andere öffentliche Bibliotheken: der sogenannte Leseknick zwischen 10 bis 12 Jahren.

Wie andere öffentliche Bibliotheken auch, richten wir unser Angebot auf die Bedürfnisse unserer Kommune aus. Die Medienangebote und Veranstaltungsarbeit reichen dann eben vom Vorlesen für Kleinkinder bis zum Erzählcafé für Senioren oder von der App zum Deutschlernen bis zum Poetry Slam oder vom gedruckten Buch bis zur Onleihe.

"Kultur bildet.": Seitdem im Sommer 2015 eine so große Zahl von Geflüchteten nach Deutschland gekommen ist, haben vor allem öffentliche Bibliotheken mit ihren niedrigschwelligen Zugangsmöglichkeiten zahlreiche Angebote gemacht. Was können Sie hierzu konkret aus Frankfurt am Main berichten?

Sabine Homilius: Wir haben sehr rasch und unbürokratisch unsere Angebote für Flüchtlinge und Asylbewerber geöffnet und die Anmeldung und damit die Ausleihe von Medien kostenfrei ermöglicht. Unsere Präsenz in den Stadtteilen und unsere gute Vernetzung haben wir genutzt, um gute Kontakte zu Trägern von Aufnahmeeinrichtungen zu knüpfen. So erreichen wir die Zielgruppe recht gut Von den derzeit in Frankfurt lebenden rund 4800 Geflüchteten sind etwa 1300 in der Stadtbücherei angemeldet. Sie nutzen vor allem die digitalen Angebote im Internet und das WLAN. Bei den physischen Medien interessieren Deutschlernangebote und Angebote in den Herkunftssprachen. Waren die 2015 und 2016 stark auf Soforthilfe ausgelegt, gilt es jetzt, kontinuierliche Strukturen aufzubauen, die die Zielgruppe je nach aktuellem Bedürfnis weiter begleiten

"Kultur bildet.": Vielen Dank!

Das Interview führte "Kultur bildet."-Redakteurin Ulrike Plüschke.

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Weitere Informationen:

Stadtbücherei Frankfurt

 

Kategorie: 
Dialogforum
Enthalten in

Region: Hessen | Textsorte: Interview |