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Grenzenlos Kultur Vol. 16: Internationales Theaterfesival Mainz

27.08.2014
Foto: Christian Martin

Vom 11. bis zum 27. September findet das Theaterfestival Grenzenlos Kultur im Mainzer Kulturzentrum KUZ  und Hallenbad Mombach statt. „Gesellschaftsspiele“ lautet das Motto der 16. Ausgabe.

Das inklusive Theaterfestival dockt damit selbstbewusst an das diesjährige Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz „Mit allen Sinnen“ an. Aktions-Theater, Antike Tragödie, Kindertheater, Kinder-Kulturfest, Konzert, Musik-Film-Theater, Science-Fiction-Gangster-Komödie, Performance zu Wasser und auf dem Land, Schaumstoff-Puppentheater und eine theaterpädagogische Tagung versprechen spannende Unterhaltung und Diskussionen. Was macht eine Gesellschaft aus? Die Summe ihrer Teile? Prägende Charaktere? Ihre Spielregeln? Man muss nicht unbedingt zum Schiller-Wort greifen, wonach der Mensch nur da ganz Mensch ist, wo er spielt, um zu begreifen, dass das (Theater-) Spiel immer schon eine ernstzunehmende Übung für mögliche und reale Welten war. So fragen die eingeladenen Produktionen was der Mensch ist, wie er lebt, und was er wie verbessern könnte.

Gesellschafts-Spiele waren den alten Griechen ernst. Passend eröffnet Theater RambaZamba mit „Philoktet“ von Sophokles. Mit einer Utopie legen sie nach: In der Science-Fiction-Gangster-Komödie „Am liebsten zu dritt“ zwingen Triso-Frauen Männer zum Sex, um die Welt mit Down-Syndrom-Babys zu bevölkern.

Düstere Zukunft beschwört „Sündenstadt“, frei nach dem Comic Sin City. Puppensplatter-Truppe Das Helmi lässt Schaumstofffetzen, schräge Einsichten und lakonischen Witz fliegen. Historische Zukunftsphantasien und Stummfilme über Außerirdische und Außenseiter inspirierten bekannte Theatermacher wie Julia Hölscher und Frank Rogowski und die Hamburger Gruppe Meine Damen und Herren zu „schwarzweiss“.

Futuristisch performt Sue Austin, Protagonistin der internationalen Freewheeling-Künstler. In „Creating the Spectacle“ gleitet sie nach Robotermusik mit Tauch-Ausrüstung und Rollstuhl unter Wasser.

Sogenannt geistig behinderte Darsteller als Spielleiter? „Regie“ von Monster Truck & Theater Thikwa provoziert. „Heilige Kühe“ von Tadeusz Janiszewski, Schauspieler des polnischen Teatr Osmego Dnia, provoziert auch: Debatten über Ausgrenzung und den Hass auf das Fremde. Ausgrenzung aus eigener Erfahrung inklusive Heimweh, Aggression und Anarchie erzählen die Darsteller des Obdachlosentheaters RATTEN 07 in „Heidizeit“. „Gespräch haben / Ohne Worte“ von Martin Clausen und Kollegen analysiert skurril die Einübe-Spiele des perfekten Gesprächs.

Das diesjährige Kinderstück „Voglio la luna!“ (Ich will den Mond!) vom italienischen Teatro Pirata & Gruppo Baku widmet sich einer unterschätzten Gesellschaftsregel, dem Teilen. „Kraut & Rüben“, das inklusive Kinder-Kultur-Fest, macht das KUZ drinnen und draußen zum Spielplatz für eine bessere Gesellschaft.

„... der Rest ist Utopie“ singt die einstige Kleingeldprinzessin beim Grenzenlos Kultur Konzert. Ihre Band „Dota & Band“ bringt anspruchsvolle deutsche Texte zu Weltmusiksound.

Neu im Programm ist die theaterpädagogische Tagung "Es geht ums Ganze – Theaterarbeit all inclusive" mit Performances, Workshops und Diskussionen.

Im Festival-Blog nehmen Studierende der Mainzer Theaterwissenschaft alles unter die Lupe, was Grenzenlos Kultur ausmacht.

Das dienstälteste inklusive Theaterfestival im deutschsprachigen Raum ist eine gemeinsame Veranstaltung von Lebenshilfe Kunst und Kultur und dem Mainzer Kulturzentrum KUZ. Kann die Zusammenarbeit der professionellen Künstler mit und ohne Behinderungen eine ideale Gesellschaft bewirken? Einen Versuch sind ihre Gesellschaftsspiele wert.

Weitere Informationen und das vollständige Programm des Festivals erhalten Sie hier.

Enthalten in

Region: Rheinland-Pfalz | Sparte: Theater | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Veranstaltungshinweis |