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„Förderung der Kulturellen Vielfalt bildet das Fundament der kulturpolitischen Arbeit“

19.04.2013
Christian Höppner. Foto: Deutscher Musikrat/Susann Eichstädt

Ende März  wurde der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Christian Höppner, zum Präsidenten des Deutschen Kulturates gewählt. Derzeit ist Höppner, der mit der Sektion Musik die mitgliederstärkste Sektion des Deutschen Kulturrats vertritt, gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Regine Möbius und Andreas Kämpf dabei, die Themenschwerpunkte für die kommenden drei Jahre festzuzurren. Andreas Kolb sprach mit dem neuen Präsidenten über aktuelle Fragen kultureller Bildung.

Was ist Ihr Hauptanliegen für die Arbeit im Deutschen Kulturrat?

Christian Höppner: „Der Schutz und die Förderung der Kulturellen Vielfalt bildet das Fundament der kulturpolitischen Arbeit. Dazu gehören die zeitgenössischen künstlerischen Ausdrucksformen, die den transkulturellen Bereich mit einbeziehen, und das kulturelle Erbe. Dieses Spektrum unserer Arbeit  speist sich aus der UNESCO-Konvention Kulturelle Vielfalt.“

Was sind weitere Themenfelder?

Höppner: Wir brauchen eine neue Verantwortungspartnerschaft  zwischen Bund und Ländern.  Wir brauchen einen gesicherten Zugang für jedes Kind zu einem qualifizierten kulturellen Bildungsangebot, sowohl in ländlichen Gebieten als auch in Städten. Denn Kulturelle Vielfalt ist  ohne Kulturelle Teilhabe nicht möglich. Weitere Schwerpunktthemen sind die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt Kultur, die gesellschaftliche Wertschätzung künstlerischen Schaffens sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung mit ihren Risiken und Chancen.

Wie definieren Sie kulturelle Bildung?

Höppner: Kulturelle Bildung  ist der zentrale Schlüssel zur Teilhabe an der Kulturellen Vielfalt. Kulturelle Vielfalt ist ein Grundrecht für jeden Menschen: es geht dabei darum, eigene Potenziale zu entdecken, Neugier auf das Andere zu entwickeln. Kulturelle Vielfalt ist Treibstoff im Zusammenleben unserer Gesellschaft. Es geht nicht um die „Verzweckung“ von Kunst und Kultur, sondern auch und vor allem um ihren Eigenwert.

Wird die Kulturelle Bildung nicht als Deckmäntelchen für eine schlechte schulische  Grundversorgung missbraucht?

Höppner: Die Orte kultureller Erstbegegnung wie Kindertagesstätte, Schule und Musikschule sind in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt worden. Dabei ist gerade die Schule die einzige Institution, in der alle Kinder erreicht werden können. Diese Orte brauchen die allererste Prioritätensetzung in der Bildungs- und Kulturpolitik der Länder. Projekte sind durch ihre Impulsfunktion das Sahnehäubchen, können aber die kontinuierliche und qualifizierte kulturelle Bildung nicht ersetzen.

Wer soll das alles bezahlen?

Höppner: Wir lassen uns viel zu oft in eine Verteidigungsposition des scheinbar Machbaren drängen, anstatt zu verdeutlichen, welche Investitionen notwendig wären. Das Programm „Kultur macht stark“ ist mit seinem Fördervolumen von 230 Millionen Euro über 5 Jahre ein gutes Beispiel dafür, das Utopien Wirklichkeit werden können, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist. Was wir brauchen ist ein offensiveres Vorgehen. Dazu zählen auch die Neuverhandlung der Rolle von Bund und Ländern sowie eine stärkere Verantwortungspartnerschaft zwischen den politischen Ebenen.

Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Interview |