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Deutscher Musikrat: Interview mit dem Präsidenten Martin Maria Krüger

30.08.2013
Martin Maria Krüger (re), hier Seite an Seite im Messechor mit Theo Geißler, Hg. der nmz. Foto: Musikrat

Am 18. und 19. Oktober 2013 hält der Deutsche Musikrat seine jährliche Mitgliederversammlung ab. In diesem Jahr wird es wieder spannend: Ein neues Präsidium wird gewählt. Der amtierende Präsident Martin Maria Krüger wird zum vierten Mal für das Amt kandidieren. Im Interview mit der neuen musikzeitung/Andreas Kolb sprach er unter anderem über Themen und Vorhaben im Bereich der musikalischen Bildung. Hier einige Auszüge aus dem Gespräch:

Wenn Sie die Wahlkampfthemen 2009 mit denen von 2013 vergleichen. Was sind die Hauptunterschiede?

Martin Maria Krüger: (…) Sehr intensiv bearbeitet wurde das Feld der Musikalischen Bildung, das absolute Bedeutung für das gesamte Musikleben hat. Einen Sonderfokus richteten wir dabei auf die Musikalische Bildung in den Grundschulen, also dem schulischen Bereich, in dem alle Kinder erreicht werden. Vorangekommen sind wir auch im Dialog mit der Politik. So gab es Gespräche mit den Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz (KMK), Ludwig Spaenle und Ties Rabe, sowie mit den KMK-Ausschüssen für Schule und Kultur. Wir haben gemeinsam mit den Landesmusikräten gleichrangig neben unser Grundsatzprogramm „Musikpolitik in der Verantwortung“ ein Grundsatzpapier gestellt: „Musikalische Bildung – ein Thema in 16 Variationen“ (…)

Greifen wir das Schlagwort „Schulzeitverdichtung“ auf…

Krüger: Die Zeit für musische Betätigung wird weniger. Dennoch, die reine Orientierung auf die MINT-Fächer würde heute kein Politiker mehr öffentlich formulieren wollen. Das ist ein großer Fortschritt im Denken der Bildungspolitik. Es wird jedoch großer Anstrengungen der schulischen und außerschulischen Akteure bedürfen, in den sich verändernden Strukturen die dringend erforderlichen Freiräume zu schaffen.

Was tun, wenn Abbau das Musikleben immer stärker bestimmt?

Krüger: Wir reagieren schnell. Nehmen Sie das Beispiel Musikhochschulen in Baden-Württemberg. Unser Generalsekretär Christian Höppner schrieb sofort einen Offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Ich hatte die Möglichkeit, anlässlich einer Feier zum 10. Jubiläum der Popakademie Mannheim der zuständigen Ministerin, Theresia Bauer, öffentlich verdeutlichen zu können, dass das ein verhängnisvoller Prozess wäre. Völlig unverständlich in der Außenansicht der anderen Bundesländer: Ausgerechnet ein langjähriges Musterland rutscht auf ganz verschiedenen Gebieten in den Kennzahlen nach hinten. Auch im Bereich der Musikschulen. Zudem war Baden-Württemberg das Ausgangsland der Idee des unseligen Fächerkomplexes musisch-ästhetische Erziehung, derentwegen die Fachlichkeit an den allgemeinbildenden Schulen zurückgedrängt wurde. Jetzt stehen die Musikhochschulen unter Druck: Man versucht wie üblich mit Etiketten etwas aufrechtzuerhalten, de facto jedoch würde die Umsetzung dieser ministerialen Pläne eine regelrechte Entkernung der beiden Musikhochschulen in Trossingen und Mannheim bedeuten.

Wir hoffen, dass Baden-Württemberg zu der Erkenntnis kommt, dass es diesen Weg nicht gehen darf. Ich habe Ministerin Bauer daran erinnert, dass sie sich während einer Rede anlässlich des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ 2012 in Stuttgart gegen die Fusion der SWR-Orchester ausgesprochen und öffentlich zur musikalischen Bildung bekannt hat. Ich kann nicht musikalische Bildung wollen, aber dort den Ausbildungskern zur Disposition stellen, wo Schulmusiker ausgebildet werden. (…)

…und es gibt neue Bündnisse…

Krüger: Das Projekt „Bündnisse für Bildung“ wurde durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Bildung initiiert, und wir freuen uns, dass einige unserer Mitgliedsverbände dank guter Konzepte mit erheblichen zusätzlichen Fördermitteln agieren können. Hervorheben muss ich auch die hervorragende Zusammenarbeit mit den Landesmusikräten. Bildungspolitik kann nur erfolgreich sein, wenn in jedem einzelnen Bundesland die dortigen Verbände ihre Positionen vertreten.

 

Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Musik | Thema: Altersübergreifend, Aus- und Weiterbildung, Außerschulische Kinder- und Jugendbildung, Frühkindliche Bildung, Schulische Bildung | Textsorte: Interview |