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BKM-Preisträger: Schlesische27 - Junge Pächter

04.10.2013
Projektschmiede der Jungen Pächter. Foto: Stefanie Schulz

BKM-Preis Kulturelle Bildung des Kulturstaatsministers Bernd Neumann: Ein Porträt des Preisträger Projekts „Junge Pächter“ des JugendKunst- und Kulturhauses „Schlesische 27“

Alles ist digital? Junge Menschen bewegen sich ausschließlich in virtuellen Räumen? Facebook und Co. ersetzen jede reale Begegnung? – Offenbar nicht. Das Projekt „Junge Pächter“ des JugendKunst- und Kulturhauses „Schlesische 27“ reagierte auf einen Bedarf, den Jugendliche selbst formuliert hatten. In einer durch die Berliner Kulturprojekte GmbH unterstützten Umfrage wurden im Jahr 2008 über 300 Berliner Jugendliche nach ihrem Verständnis von Kultur und zu ihrem Interesse an den Kunst- und Kulturangeboten der Stadt befragt. Moniert wurde dabei vor allem der Mangel an öffentlichem (realem) Raum und Gelegenheiten für selbstorganisierte Projekte. Bekräftigt wurde dies im Rahmen einer Konferenz in der „Schlesischen 27“: der Wunsch nach selbstgestalteten und -verwalteten Räumen, in denen eigene Kulturprojekte realisiert werden könnten, manifestierte sich.

Die „Schlesische 27“ wollte mit ihrem Projekt „Junge Pächter“, das nun mit dem BKM-Preis Kulturelle Bildung ausgezeichnet wurde, Abhilfe schaffen. Seit 2011 wurden den jungen Pächtern neun Räume in sieben Berliner Bezirken (Pankow, Spandau, Neukölln, Köpenick, Marzahn, Wedding und Kreuzberg) für ihre Projekte zur Verfügung gestellt. In der Regel waren es leerstehende Läden. Die Art der Nutzung war vielfältig, die Kreativität bei der Entwicklung eigener Ideen schier unerschöpflich, angeregt auch durch eine „Projektschmiede“, die den Start der „Jungen Pächter“ signalisierte und den Jugendlichen die Möglichkeit bot, sich in kleineren Gruppen zusammenzuschließen und erste Projektentwürfe zu generieren. Begleitet wurden die Jugendlichen von Mentorinnen und Mentoren, die zum Beispiel Rat wussten in den Bereichen Organisation, Abrechnung und Öffentlichkeitsarbeit. Ein kleines Budget ermöglichte den „Pächtern“ die Umsetzung ihrer Ideen. Zum Beispiel eine Fahrradwerkstatt, Kochgruppen, ein Tonstudio, eine Galerie für alle Kunstsparten, eine Instrumentenwerkstatt, die nur mit Schrott-Teilen arbeitet, Impro-Theater, ein Büro für soziales Design, Filmvorführungen, Wohnzimmerkonzerte, ein urbanes Garten- und ein Chorprojekt und und und…

Inzwischen läuft das Projekt bereits in der dritten Runde. Im März/April 2014 endet die Finanzierung. Das Zwischen-Fazit der Veranstalter ist positiv: Die jungen Menschen erleben wichtige Lernprozesse durch die Selbstorganisation – auf persönlicher wie beruflicher Ebene. Das berichtet Projektleiterin Sandrine Ribeiro. Einige der jungen Pächter seien inzwischen auf dem Weg in die Selbständigkeit. Die Lernprozesse als junge Pächter sind dabei sehr hilfreich.

Festgestellt wurde in den 2 ½ Jahren ein echter Mangel an Räumen, in denen sich Jugendliche ohne vorgegebenen Rahmen selbst verwirklichen, ihre Ideen spinnen und verwirklichen können – und in denen sie auch scheitern dürfen. Wichtig sei auch die Diskussion über künstlerische Kriterien zwischen den Jugendlichen, so Ribeiro. Und spannend sei die Vielfältigkeit der Ideen: Überwiegend wurden Kunstprojekte realisiert, aber es gab auch andere, wie die Skater aus Marzahn oder eine Erfinderwerkstatt.

Wie geht es weiter? In Hinblick auf das Ende des Projekts im kommenden Jahr haben die Träger gerade einen Workshop zum Thema „Antragsfitness“, Organisationsformen, Förderlandschaft angeboten. Der Wunsch der Jugendlichen ist es, ihre Ideen zu verstetigen. Also denken sie jetzt intensiv darüber nach, wie sie ihre Vorhaben dauerhaft installieren können.

Das Projekt wurde von der Fachhochschule Potsdam wissenschaftlich begleitet. Zwei Studierende der Fachhochschule Potsdam aus dem Studienbereich „Soziale Arbeit“ durften das Pächter-Projekt außerdem als Radio-Blogger im Sender 88vier begleiten. Sie berichteten hier über die Pächter-Idee, über einzelne Ideen und deren Umsetzung und holten sich Gäste ins Studio, die über ihre Projekte berichteten. Nachzuhören ist dies hier.

Enthalten in

Region: Bundesweit, Berlin | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung | Textsorte: Ausschreibungen |