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Alles hat seine Zeit – Rituale gegen das Vergessen

15.10.2013
Chanukka-Leuchter, Osteuropa © Privatbesitz München, Foto: Franz Kimmel

„Alles hat seine Zeit – Rituale gegen das Vergessen“ nennt sich die erste große Judaica-Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin vom 18. Oktober 2013 bis 9. Februar 2014. Sie widmet sich dem Thema der „rites des passages“. In 16 kurzen Kapiteln werden zum einen existentielle Einschnitte im Leben wie Geburt, Mündigkeit, Eheschließung und Tod mit der religiösen Tradition verbunden. Zum anderen wird die kollektive Dimension des Gedenkens am Jahreszyklus der Feiertage dargestellt. Rituale gegen das Vergessen, die jede Generation mit eigenen historischen Erfahrungen weiterschreibt. Mehr als 60 ausgesuchte Objekte aus öffentlichen und privaten Sammlungen zeigen, was sich hinter dem religiösen und dem säkularen Gedenken verbirgt.

Im Kapitel „Erinnerung an das Wort“ werden erstmals drei Tontafeln aus Köln ausgestellt. Die Schiefer- und Blausteinfragmente gehören zu einem einzigartigen Fund von mehr als 230.000 materiellen Überresten jüdisch-mittelalterlicher Kultur in Deutschland aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Kritzeleien, Zeichnungen und Schreibübungen in hebräischer, frühjiddischer und mittelhochdeutscher Sprache zeugen vom schulischen Alltag der Kinder und Jugendlichen in der damaligen jüdischen Gemeinde.

Den traditionellen jüdischen Zeremonialobjekten steht eine Auswahl großformatiger Fotoarbeiten der amerikanischen Künstlerin Quintan Ana Wikswo gegenüber: Sie nehmen ein Thema auf, das bislang aus den Erinnerungsritualen der Gedenkpolitik ausgeblendet war - die Opfergruppe der sexuell ausgebeuteten Frauen in Konzentrationslagern. Die Künstlerin erforschte fotografisch den Standort des sogenannten „Sonderbaus“ in Dachau, in dem sich das KZ-Bordell befand, und bearbeitete ihn literarisch.

Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Brauchtum | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Veranstaltungshinweis |