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#60: Projekt SUPERKLASSE

09.03.2015
Foto: Neil Anthony Quinton

Was zählt, um gesund aufzuwachsen? Hamburger Schulklassen antworten

Das Projekt SUPERKLASSE ist darauf angelegt, die Fähigkeiten und Fertigkeiten von Kindern und Jugendlichen aufzubauen und zu stärken. Die Entwicklung eigener Musik- und Videoclips fördert ihre Kompetenzen. Die besondere Motivation und Begeisterung, die Kinder und Jugendliche bei ihrem kreativen Handeln entwickeln, wird mit dem Thema Gesundheit verknüpft. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Medium des Videoclips, das einen besonderen Zugang zu den eigenen Gefühlen und Emotionen sowie denen der Zuhörenden bietet.

Die Kinder und Jugendlichen jeder SUPERKLASSE entscheiden sich für ein selbst gewähltes Thema und erarbeiten einen Liedtext, die Erwachsenen geben ihnen nur einige Ideen und begleiten sie beim Entstehungsprozess. In der Zwischenzeit wird ein Demo-Song produziert und auf die Webseite hochgeladen. Beim Casting für die Studioaufnahmen erhalten die Kinder und Jugendlichen dann die Gelegenheit, das Lied vorzusingen bzw. vorzurappen und im Tonstudio aufzunehmen. Im Anschluss wird der Videodreh besprochen. Auch hier werden die Klasse maßgeblich in die Suche nach Ideen und geeigneten Drehorten einbezogen.  

Bis heute entstanden 19 Songs und 13 Videoclips.

Hier geht's zum aktuellen Song „Sag es laut!

Im Jahr 2009 wurde Projekt SUPERKLASSE zum ersten Mal als Pilotprojekt mit drei Schulklassen durchgeführt. Beim 15. Bundestreffen engagierter Kinder und Jugendlicher wählte die Kinderjury den ersten Song der SUPERKLASSE auf den 1. Platz - eine Bestätigung für das SUPERKLASSE-Team, den richtigen Ansatz zu verfolgen.

Um Begeisterung bei Kindern auslösen zu können, werden Musik und Medien verwendet, da diese heute die Welt der Kinder prägen – eine Welt, in der sie sich selbstverständlich bewegen können. Musik gewährt ihnen einen Zugang zu den eigenen Gefühlen und Emotionen sowie zu den Gefühlen der Zuhörenden. Musik hat für die Entwicklung jedes Kindes und Jugendlichen eine sehr große Bedeutung. Das Hören von Musik kann Bilder, Gefühle und Vorstellungen hervorrufen. Dies führt zum Ausdruck von Empfindungen wie Sich Wohlfühlen, Freude oder auch Traurigkeit und Melancholie. Die Arbeit mit Musik wirkt sich gesundheitsfördernd auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus. Es ist die Möglichkeit, sich in aller vorhandenen Unterschiedlichkeit zu begegnen.

Mit dem selbst entwickelten Medienprodukt können sie das neu erworbene oder bereits bestehende Wissen im Bereich der Musikproduktion an andere Kinder und Jugendliche weitervermitteln. Sie entdecken ihre Talente und kommen miteinander, mit den Lehrkräften und den Eltern ins Gespräch. Die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass sie Einfluss auf ihre Gesundheit nehmen und dass sie durch eigene Entscheidungen ihrem Leben eine Richtung geben können. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Ernährung, Bewegung und seelische Gesundheit lernen sie, kritisch mitzudenken sowie sich selbst und die mediale Welt zu reflektieren. Darüber hinaus erfahren die Kinder und Jugendlichen mehr über den Umgang mit Medienkommunikation und über professionelle Musik- und Videoproduktionen.

Des Weiteren ist Gesundheitserziehung, Bindung und Beziehung Teil der inklusiven Bildung für alle Menschenkinder, völlig unwichtig, ob behindert oder nicht. Inklusion wird durch Projekt SUPERKLASSE gelebt, sowohl als Thema für Songs als auch im gemeinsamen Handeln und bei gemeinsamen Auftritten.

Aktive Umsetzung – Der Was-Kinder-stark-macht-Ansatz des Projekts SUPERKLASSE

  • Kinder werden ermutigt, sich an etwas heranzutrauen, was sie noch nicht können, damit neue Kompetenzen und Fähigkeiten entwickelt werden können, Selbstvertrauen wird gefördert und erste Schritte in die Unabhängigkeit und ein selbstbestimmtes Leben werden so ermöglicht.
  • Kinder erleben, dass man sich mit Problemen direkt auseinandersetzen kann, weichen nicht aus, sondern suchen nach Lösungen und Antworten.
  • Kinder lernen ihre Bedürfnisse und ihre Gefühle in Worte zu fassen.
  • Kinder werden Botschafter ihrer Anliegen.
  • Kinder sind gefragt, mit zu entscheiden und erfahren Sinn und Bedeutung ihres Handelns – sie handeln nach dem Empowermentkonzept.
  • Kinder erfahren Kontaktaufnahme, übernehmen Verantwortung, erleben und zeigen Rücksichtnahme, entwickeln Kompromissfähigkeit sowie Wertschätzung sich selbst und den Mitschülerinnen und Mitschülern gegenüber, sie erleben Durchhaltevermögen.
  • Das Ergebnis entlohnt sie, hebt ihr Selbstwirksamkeitsgefühl und ihre Selbstachtung und ermutigt sie, sich immer wieder neu auszuprobieren.
  • Die wichtigste Aufgabe für das Projekt SUPERKLASSE-Team besteht im Gewinnen von Vertrauen und in der Achtsamkeit, gewonnenes Vertrauen nicht zu verspielen.

Gesundheit(-serziehung) beginnt also im Kopf, in der Art und Weise unseres Denkens. Projekt SUPERKLASSE begegnet den Kindern nach dem Konzept der Salutogenese von Aaron Antonovsky. Dieser Ansatz wird im Folgenden zusammengefasst: Aron Antonovsky verwendet das Bild eines Schwimmers im Strom des Lebens, um den Sachverhalt zu beschreiben, dass der Mensch sich „in verschiedenen Flüssen, deren Strömungen und Strudel oder anderen Gefahrenquellen…“ befindet; „niemand befindet sich jemals am sicheren Ufer“ (Antonovsky 1993, S. 7). Er führt weiter aus: „Darüber hinaus ist klar, dass ein Großteil des Flusses sowohl im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn verschmutzt ist. Es gibt Gabelungen im Fluss, die zu leichten Strömungen oder in gefährliche Stromschnellen und Strudel führen. Wie wird man, wo immer man sich in dem Fluss befindet, dessen Natur von historischen, soziokulturellen und physikalischen Umweltbedingungen bestimmt wird, ein guter Schwimmer?“ (Antonovsky 1997, S. 92). Nicht die Frage nach den krank machenden Faktoren solle im Zentrum des Interesses stehen, sondern jene nach den Ressourcen und Potenzialen, lautet Antonovskys Vorschlag (Antonovsky 1979, 1987).

Gesund zu bleiben heißt in diesem Sinne „ein guter Schwimmer zu werden“. Im Hinblick auf die Metapher des Schwimmers, der sich nicht entlang des sicheren Ufers bewegt, sondern inmitten von Strömungen und anderen Gefahrenquellen befindet, bedeutet dies, „den Fluss, in dem er schwimmt, einigermaßen zu überblicken und seine Wünsche, sein Können und Tun darauf abzustimmen“ (Antonovsky 1993, S. 4) – um ein guter bzw. besserer Schwimmer zu werden.

Hinsichtlich der Lebenserfahrungen – also der Erfahrungen als Schwimmer - stellt sich die Frage, ob und inwieweit der Mensch selbst mitentscheidet, ob er bestimmte  Erfahrungen machen will, nach welchen Spielregeln diese verlaufen und wie Aufgaben und Probleme gelöst werden, die aus einzelnen Herausforderungen neu erwachsen. Die entscheidende Dimension dabei ist die Partizipation an Entscheidungsprozessen, in denen der Mensch die ihm gestellten Aufgaben und Anforderungen annimmt, Verantwortung für die Ausführung übernimmt und sein Handeln oder Nicht-Handeln am Ergebnis ausrichtet (Empowerment).

Weitere Informationen zum Projekt SUPERKLASSE erhalten Sie hier.

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Foto: Neil Anthony Quinton
Enthalten in

Region: Hamburg | Sparte: Film, Medien, Musik | Thema: Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |