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#55: Hörpfade

02.02.2015
Foto: Stiftung Zuhören

Audioguides von Bürger*innen für Bürger*innen

Was ist das Besondere an meiner Region? Was zeichnet den Ort aus, an dem ich lebe? Was macht unsere Heimat so unverwechselbar? In Kursen bayerischer Volkshochschulen produzieren Menschen ganz persönliche Audioguides über die Region, in der sie leben. Sie recherchieren und nehmen Interviews mit Zeitzeug*innen und Expert*innen auf. Sie produzieren Reportagen und inszenieren Hörspielszenen. Sie nehmen ihre Zuhörer*innen mit an ungewöhnliche Orte oder lassen vergangene Zeiten wieder lebendig werden. Sie schreiben, sprechen und schneiden ihre Beiträge selbst und publizieren sie dann auf der Website ihrer Volkshochschule sowie auf der klingenden Landkarte www.hoerpfade.de. So entstehen individuelle Hörpfade durch Bayern, die die Vielfalt regionaler Geschichte, Kunst und Kultur erlebbar machen.

Professionelle Unterstützung

Die „Hörpfade“ sind ein Kooperationsprojekt des Bayerischen Rundfunks, des Bayerischen Volkshochschulverbands und der Stiftung Zuhören. Kursleiter*innen interessierter Volkshochschulen werden zunächst von Journalist*innen des Bayerischen Rundfunks intensiv geschult: Sie lernen, wie man Themen recherchiert, welche akustischen Gestaltungsmittel es gibt, um Fakten informativ, unterhaltsam und spannend zu vermitteln und wie man dazu textet. Sie erlernen den Umgang mit dem Mikrofon, üben das Sprechen von Texten und das Schneiden von Audios am Laptop. Ihr neu erworbenes Basiswissen geben sie anschließend an ihre Kursteilnehmer*innen weiter. Außerdem können sie Mediencoaches des Bayerischen Rundfunks zur Unterstützung anfordern. Diese helfen dabei, eine passende Gestaltungsform für die Beiträge zu finden, geben Tipps für das Abfassen der Skripte, unterstützen beim Audioschnitt und bei einer ansprechenden stimmlichen Gestaltung.

Die nötigen Aufnahmegeräte und Laptops sind an den Volkshochschulen entweder bereits vorhanden oder werden für das Projekt angeschafft. Vor Ort ergeben sich vielfältige Kooperationen, z.B. mit Heimatverbänden, Museen oder Vereinen.

Akustische Denkmäler für Lieblingsorte

Wichtiges Prinzip aller Hörpfade bleibt dabei aber immer: Die Inhalte bestimmen die Teilnehmer selbst, nicht die Mitglieder des Gemeinderats oder Tourismusverbands. So entstand in Ebersberg das Porträt eines beliebten Kiosks, in Aichach forscht ein Teilnehmer über die Biografie einer Wirtshausbesitzerin aus dem 19. Jahrhundert und in Sauerlach machten Jugendliche einen akustischen Streifzug durch die örtliche Musikschule. Die Hörpfade können mündlich überliefertes Wissen festhalten und kleine Denkmäler für Lieblingsorte setzen.

Rund 40 Volkshochschulen in Bayern sind oder waren bereits dabei – bieten also einen Hörpfade-Kurse an, bereiten einen neuen Kurs vor oder haben schon einen Kurs erfolgreich abgeschlossen. Teilweise gehen die Hörpfade auch in eine neue Runde und es entstehen weitere Audios, die die Produktionen des ersten Kurses ergänzen. Und manchmal entsteht auch ein besonderer Zusammenhalt zwischen den Teilnehmenden, so wie in Oberhaching. Dort treffen sich die Hobby-Journalist*innen regelmäßig zum Stammtisch. Sie haben durch die Hörpfade nicht nur ihren Ort sondern auch ihre Mitbürger*innen besser kennengelernt. Eine fränkische vhs will deshalb das Konzept nutzen und die Hörpfade gemeinsam mit einem Deutschkurs für Zuwanderer*innen durchführen.

Präsentation der Hörpfade und Webpräsenz

Zum Abschluss des Kurses präsentieren die Volkshochschulen die entstandenen Audios in der Regel mit einer feierlichen Veranstaltung der Öffentlichkeit. Außerdem können alle entstandenen Hörpfade im Netz nachgehört werden: Unter www.hoerpfade.de wächst eine „klingende Landkarte“ Bayerns, auf der Bewohner*innen und Besucher*innen der Orte alle gelungenen Audios abgerufen können. Freigeschaltet werden sie nach der Abnahme durch Experten der Stiftung Zuhören und des Bayerischen Rundfunks. Aber auch viele Volkshochschulen und Kommunen präsentieren auf ihren Websites die Hörpfade durch ihren Ort.

Medial begleitet der Bayerische Rundfunk das Projekt und berichtet immer wieder über neu entstandene Hörpfade. Auch bei der Auftaktveranstaltung und bei der Abschlusspräsentation der fertigen Hörpfade in der vhs vor Ort ist meist ein Journalist des Bayerischen Rundfunks präsent und fungiert somit quasi als „Pate“ des jeweiligen Projekts.

Einen akustischen Eindruck der „Hörpfade“ erhalten Sie hier.

Ansprechpartner für das Projekt „Hörpfade:

Hier erfahren Sie mehr über das Projekt der Woche.

Zu den bisherigen Projekten der Woche gelangen Sie hier.

Foto: Stiftung Zuhören
Enthalten in

Region: Bayern | Sparte: Interdisziplinär, Medien | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |