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3 Fragen an Prof. Dr. Susanne Keuchel, Direktorin der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW, Remscheid

21.06.2017

Bei unserem 10. Dialogforum zur Kulturellen Bildung in der Digitalen Gesellschaft am 6. Juli in Berlin wird auch Prof. Dr. Susanne Keuchel, Direktorin der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW an der Podiumsdiskussion teilnehmen. Ulrike Plüschke von der "Kultur-bildet."-Redaktion hat sie im Vorfeld der Veranstaltung interviewt:

Ulrike Plüschke: Was macht die von Ihnen geleitete die Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW in Remscheid?

Prof. Dr. Susanne Keuchel: Die Akademie ist seit 1958 das zentrale Institut für kulturelle Kinder- und Jugendbildung der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Fortbildungsakademie für Fachkräfte der Jugend, Sozial-, Bildungs- und Kulturarbeit ist sie eine anerkannte Einrichtung der Kinder- und Jugendförderung und qualifiziert im gesamten Themenspektrum der Kulturellen Bildung interdisziplinär und innerhalb der einzelnen künstlerischen Fachdisziplinen. Die Akademie verfügt über eine ausgewiesene Expertise in Theoriebildung, Politikberatung und Konzeptentwicklung. Forschung und Evaluation gehören ebenso zu ihren Leistungen wie die Erschließung von pädagogischen und gesellschaftlichen Querschnittsthemen.

Welche Rolle spiele digitale Medien, Angebote und Vermittlungsformen für die Weiterbildung im Bereich der Kulturellen Bildung?

Die Akademie hat seit 1968 einen Fachbereich Medien, der eng vernetzt und interdisziplinär mit den anderen künstlerischen Fachbereichen der Akademie zusammenarbeitet. Ziel ist eine innovative und zielgruppengerechte kreative Medienbildung von Computerspielen bis hin zu Instagram oder Blog. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei in der Schnittstelle und Sensibilisierung von analogen und digitalen Wahrnehmungsprozessen. So werden beispielsweise Computer- und Videospiele mit Methoden der Spielpädagogik in den analogen Raum überführt oder die Verbindung von Storytelling in Games und auf Internetseiten zur Literaturvermittlung heran gezogen oder mediale Vorbilder genutzt, um theaterpädagogische Zugänge zu schaffen. Medienbildung wird hier nicht isoliert betrachtet, sondern auf die medialen Lebenswirklichkeiten angepasst und um kulturelle Felder erweitert. Neben den vielfältigen Kursangeboten und medienpädagogischen Qualifizierungen der Akademie werden in diesem Sinne auch Langzeitqualifizierungen zur Handlungsorientierten Medienpädagogik (HOMP) in Kooperation mit der Donau-Universität Krems und der Technischen Hochschule Köln als berufsbegleitende Master-Studiengänge angeboten.

Sie koordinieren ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Verbundprojekt mit dem Titel "Postdigitale kulturelle Jugendwelten“. Worum geht es in diesem Projekt?

Die Nutzung neuer Medien hat sich in den letzten Jahren rasant gewandelt. Die heutigen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen sind zunehmend geprägt von digitalen Netzwerken, mobilen Gadgets, Apps und Algorithmen. Dieser Wandel, der kulturelle Gefüge und ästhetische und künstlerische Praktiken tiefgreifend und in vielerlei Hinsicht berührt, wird im aktuellen Diskurs als “postdigitaler Zustand” (Jörissen) bezeichnet. In der postdigitalen Welt verändern sich auch die Bedingungen kultureller Teilhabe und Bildung. Es fehlt jedoch an Grundlagenforschung zu den veränderten Bedingungen, daher möchte das Verbundprojekt erstmals ausführlich anhand eines mixed method-Designs prüfen, wie sich der digitale Medienwandel auf die aktuelle künstlerisch-kreative Praxis junger Menschen ausgewirkt hat. Mit „vireal“ wird hier das Phänomen umschrieben, dass junge Menschen im Gegensatz zu „Digital Immigrants“ gar nicht mehr unterscheiden zwischen virtuellen und reellen Welten.

Dazu werden in einem ersten Schritt aktuelle digitale und vireale künstlerisch-kreative Aktivitäten in der Jugendkultur ermittelt. Diese bilden die Basis für eine bundesweite Jugendbefragung, um a) die Relevanz der ermittelten digitalen und virealen künstlerisch-kreativen Aktivitäten in der jungen Gesamtbevölkerung zu überprüfen und b) mögliche soziale Ungleichheiten zu ermitteln. Die Ergebnisse werden genutzt um zeitgemäße Konzepte für die Kulturelle Bildungsarbeit zu ermitteln. Das Projekt ist ein Verbundvorhaben zwischen dem Institut für Bildung und Kultur e.V. (ibk) und der Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Akademie der Kulturellen Bildung und wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Weitere Informationen

Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW

Einladung zum 10. Dialogforum am 6. Juli - um Anmeldung wird gebeten

 

Kategorie: 
Dialogforum
Enthalten in

Region: Bundesweit, Nordrhein-Westfalen | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Schulische Bildung | Textsorte: Interview |