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3 Fragen an Dr. Chantal Eschenfelder, Leitung Bildung & Vermittlung am Städel Museum Frankfurt/ Main

19.06.2017

Bei unserem 10. Dialogforum zur Kulturellen Bildung in der Digitalen Gesellschaft am 6. Juli in Berlin wird auch Dr. Chantal Eschenfelder, Leiterin des Bereich Bildung & Vermittlung am Städel Museum Frankfurt/Main an der Podiumsdiskussion teilnehmen. Ulrike Plüschke von der "Kultur-bildet."-Redaktion hat sie im Vorfeld der Veranstaltung interviewt:

Ulrike Plüschke: Frau Eschenfelder, was sind die Sammlungsschwerpunkte des Städel Museums?
Dr. Chantal Eschenfelder: Das Städel Museum wurde 1815 als bürgerliche Stiftung von dem Bankier und Kaufmann Johann Friedrich Städel gegründet und gilt als älteste und renommierteste Museumsstiftung in Deutschland. Unter einem Dach bietet die Sammlung einen Überblick über 700 Jahre europäische Kunstgeschichte – vom frühen 14. Jahrhundert über die Renaissance, den Barock und die klassische Moderne bis in die unmittelbare Gegenwart. Insgesamt umfasst die Sammlung rund 3.100 Gemälde, 660 Skulpturen, über 4.600 Fotografien und über 100.000 Zeichnungen und Grafiken. Höhepunkte der Sammlung sind Werke von Künstlern wie Lucas Cranach, Albrecht Dürer, Sandro Botticelli, Rembrandt van Rijn, Jan Vermeer, Claude Monet, Pablo Picasso, Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Alberto Giacometti, Francis Bacon, Gerhard Richter, Wolfgang Tillmans und Isa Genzken.

Mit seiner „Digitalen Strategie“ hat das Städel Museum seit dem Jahr 2013 eine Reihe von neuartigen Vermittlungs-Initiativen gestartet. Könnten Sie uns bitte einige davon nennen!  
Nach der baulichen Erweiterung unseres Hauses mit den Gartenhallen für Gegenwartskunst 2012 erschien uns eine digitale Ausdehnung als der nächste logische Schritt, um unsere Inhalte auch jenseits der physischen Grenzen unseres Museums zu vermitteln. Der digitale Ausstellungsvorbereitungskurs, das Digitorial und Kunstgeschichte online – der Städel Kurs zur Moderne sind Teil einer Gesamtstrategie, die auch Imagoras, ein Computerspiel für Kinder, die Städel App, die Digitale Sammlung,  das Forschungsprojekt Zeitreise, ein Filmprogramm und viele andere Maßnahmen umfasst. Da immer mehr Menschen ihre Informationen ausschließlich aus dem Internet beziehen, ist es wichtig, auch mit kulturellen Inhalten und Angeboten im digitalen Raum präsent zu sein – nicht nur in Social Media.

Die bereits gelaunchten Projekte umfassen:

Können Sie durch diese „digitale Erweiterung“ Ihres Museums bereits Veränderungen bei der Zusammensetzung oder beim „Nutzungsverhalten“ des Publikums feststellen? Kommen jetzt andere Menschen als zuvor ins Museum?
Der Begriff „Erweiterung“ hat nicht nur eine räumliche Dimension, sondern auch eine zeitliche, denn der Museumsbesuch beginnt eigentlich ja schon zuhause, wenn man sich z.B. mit dem Digitorial auf die Inhalte einer Ausstellung vorbereitet. Und er endet lange danach, wenn man  - wiederum zuhause  - sein Wissen über die Sammlung, die Ausstellungen und deren Inhalte z.B. in der Digitalen Sammlung weiter vertiefen möchte oder sich über einen erneuten Besuch informiert. Unsere Kunstvermittler berichten, dass sie in Führungen von Besuchern angesprochen werden, die das Digitorial gelesen haben und nun vor Ort weitere, vertiefende Fragen haben. Insgesamt tragen diese Angebote also dazu bei, dass die Besucher „informierter“ ins Museum kommen. Allerdings haben wir bei der Konzeption nicht ausschließlich das Ziel gehabt, dass dieselben Leute, die ins Museum gehen auch die sind, die unsere digitalen Angebote wahrnehmen. Ganz im Gegenteil! So wurde beispielsweise der Onlinekurs lobend im Besucherbuch erwähnt, aber es war für uns noch viel bewegender z.B. die Dankesmail von einer Frau aus Kiew zu erhalten, die nun endlich verstehe, wie das mit der modernen Kunst funktioniere und wie sie sich das mithilfe des Kurses selbst erarbeiten könne. Hier steht der tatsächliche Besuch im Städel Museum nicht an erster Stelle, sondern das Interesse von Usern, die sich mit unseren Inhalten beschäftigen. Aber wir sind auch davon überzeugt, dass alle Menschen, die erst einmal ein Interesse an einem Werk entwickelt haben, irgendwann auch das Original sehen möchten. Es ist also nicht so, dass die digitalen Angebote unser Publikum langfristig reduzieren – im Gegenteil.

Vielen Dank für Ihre Antworten, wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen am 6. Juli beim 10. Dialogforum!

Weitere Informationen

http://www.staedelmuseum.de/de/digitale-strategie

Einladung zum 10. Dialogforum am 6. Juli - um Ameldung wird gebeten

 

Kategorie: 
Dialogforum
Enthalten in

Region: Berlin | Sparte: Interdisziplinär, Medien, Museum | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Interview |