Kultur bildet.

Das Portal für kulturelle Bildung.

#17: Over the bridge - Tanzen verbindet

28.04.2014
Foto: ADTV / Karl-Werner Wiemers

Tanzprojekt der ADTV Tanzschulen für und mit Menschen mit Behinderung

„Over the bridge“ ist ein tänzerisches Projekt für und mit Menschen mit Behinderung. Die ADTV Tanzschulen gehen damit seit 2012 einen wichtigen ersten Schritt zur Umsetzung der UN-Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderung. Ziel ist es, Menschen mit und ohne Behinderung durch „tänzerische“ Bewegung zusammen zu führen. Inklusion ist das Stichwort, das auch im Jahr 2014 in aller Munde ist.

Wir wollen verbinden und was eignet sich besser dazu als Tanzen? Tanzen ist ein Brückenschlag. Wir möchten Menschen mit und ohne Behinderung „tänzerisch“ zusammenbringen und zwar dauerhaft. Ziel ist es, die ADTV Tanzschulen als kompetenten Partner beim Thema Bewegung für Menschen mit Behinderung zu etablieren. Wir fördern lokale inklusive Auftritte und regelmäßige tänzerische Begegnungen in den ADTV Tanzschulen. „Over the Bridge“ richtet sich an alle Menschen mit und ohne Behinderung, die Spaß am Tanzen haben.

Tanz als verbindendes Element und als Weg zur Inklusion. Hierbei geht es nicht um einzelne spezielle klassische Tanzstile. Die Beteiligten sollen unter pädagogischen-, individuellen-, und tänzerischen Gesichtspunkten Choreographien gemeinsam entwickeln, die der persönlichen Situation und dem Grad der individuellen Einschränkung gerecht werden. Die Swinging World hat zu diesem Zweck deutschlandweit Informations- und Schulungskurse abgehalten, die die Tanzschulen nicht nur in tänzerischer, sondern vor allem in pädagogischer, didaktischer und auch medizinischer Hinsicht auf die Arbeit mit behinderten Menschen vorbereiten.

Gestartet ist „Over the bridge“ 2012 mit dem Ziel, durch lokale und auch größere überregionale Tanzevents für das Thema Inklusion zu sensibilisieren. Das galt sowohl einerseits für die ADTV Tanzschulen und ihre Tanzlehrer/innen, für die der Umgang mit Menschen mit Behinderung zu dem Zeitpunkt oftmals noch absolutes Neuland war, als auch für die Öffentlichkeit und somit den einzelnen Tanzschülerinnen und -schülern.

Gefördert wurden lokale Aufführung der einzelnen Tanzgruppen. Räumlichkeiten und Technik konnten teilweise von Stadt/Land oder Gemeinden kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Als Vermittler und Partner waren die Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung und die Landesbehindertenbeiräte gewonnen worden, die als Bindeglied und Ansprechpartner für die Menschen mit Behinderung einerseits und den Tanzschulen vor Ort anderseits fungierten. Die Swinging World stellte die logistischen Mittel und Konzepte, sowie Werbematerialien zur Verfügung und war zuständig für die überregionale Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Mittlerweile ist „Over the bridge“ die große Klammer und der Oberbegriff für die Arbeit der ADTV Tanzschulen mit Menschen mit Behinderung. Mehr als 30 Tanzschulen bieten zur Zeit inklusive Tanzkurse und haben Angebote für Menschen mit Behinderung im Programm.

ADTV Tanzschulen und Menschen mit Behinderung

Die Aktion ist mehr als ein bloßer Beweis gesellschaftlicher Verantwortung. Selbstverständlich dient er auch im gegenseitigen Einverständnis der beteiligten Institutionen dem Aufbau eines Netzwerks, in dem die ADTV Tanzschulen ein kompetenter Ansprechpartner für das Thema Bewegung von behinderten Menschen sind. Den Teilnehmern des Projekts wird eine Möglichkeit der Teilhabe und der Persönlichkeitsentwicklung gegeben. Tanzen ist schließlich eine überaus vielschichtige und über das rein sportliche weit hinausgehende Aktivität, die Koordination und Selbstwahrnehmung schult und von Ärzten als Ausgleichssport empfohlen wird. Darüber hinaus bringt es Menschen in Kontakt und das gilt uneingeschränkt für jeden – also auch für Menschen mit Behinderung.

Im besten Fall macht „Over the bridge“ allen daran Beteiligten einfach einen Riesen-Spaß und gibt Gelegenheit, eine gemeinsame Aufführung auf die Bühne zu bringen.

ADTV Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer sind grundsätzlich fachlich und pädagogisch durch Ihre einzigartige dreijährige Ausbildung befähigt, Tanz-Unterricht nicht nur im Gesellschaftstanz zu erteilen. Für diese spezielle Aufgabe – mit unterschiedlichsten Formen, geistiger-, physischer, psychischer Einschränkung ist jedoch eine weitere Unterstützung notwendig.

Weiteres Know-how aus der Arbeit mit Menschen mit Behinderung ist im Verband vorhanden. So gibt es eine Reihe von ADTV Tanzlehrerinnen und Tanzlehrern, die bereits seit vielen Jahren mit Menschen mit Behinderung arbeiten und Teilnehmertanzschulen unterweisen und zum Beispiel choreographische Module zuliefern. Ein herausragendes Beispiel ist hier die „Michael und Patsy Hull Foundation“ in Osnabrück. Sie hat bereits mehrere integrative Musicals aufgeführt. Michael und Patsy Hull sind ADTV Tanzlehrer und betreiben nach ihrer professionellen Karriere im Tanzsport sehr erfolgreich Tanzschulen in Osnabrück und engagieren sich in vielen auch überregionalen sozialen Projekten

Einige Worte zur Arbeit unserer Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer

Die Mitglieder des Allgemeinen Deutsche Tanzlehrerverbandes befinden sich täglich im (sprichwörtlich) engen Kontakt mit ihren Kunden. Jenseits ihrer fachlichen Arbeit fühlen sich alle Mitglieder stets dem Anspruch von Toleranz, Verantwortung und Menschlichkeit verpflichtet. Mit ihrer Arbeit wirken ADTV Tanzschulen sozialer Vereinsamung und gesellschaftlicher Ausgrenzung entgegen, dies gilt im Besonderen auch für Kinder und Jugendliche. Tanzen ist Interaktion auf körperlicher, sozialer und auch mentaler Ebene: Wer tanzt, exponiert sich und gibt eine Menge von sich preis. ADTV-Tanzlehrer/innen leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen, die Menschen aller Generationen und Schichten verbindenden und integrierenden Beitrag. Tanzschulen sind vielerorts Treffpunkt für alle Altersgruppen und soziale Schichten. In dieses Spektrum gehören selbstverständlich auch Menschen mit Behinderung.

Ihre Ansprechpartner für diese Aktion:

Christian Götsch
Swinging World e.V. - Die Vereinigung der Tanzschulinhaber
Swinging World GmbH - Marketing und Service für Tanzschulen im ADTV
Obenhauptstraße 5
22335 Hamburg
Tel: +49 40 500582-15
E-Mail: christian.goetsch@tanzen.de
www.tanzen.de

Zwei Beispiele aus der Praxis

Tanzschule von Oehsen

Die Tanzschule von Oehsen aus Wilhelmshaven unterrichtet seit 7 Jahren in den Räumen der Gemeinnützigen Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit (GPS) Wilhelmshaven Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die eine geistige oder körperliche Behinderung haben.

Mit Gunnar von Oehsen lernen Sie dort aktuelle Partytänze, Gesellschaftstänze und Sitztänze. Mindestens einmal im Jahr haben die Tanzschülerinnen und -schüler Gelegenheit, auf einem Abschlussball der GPS ihr Können zu zeigen. Aber die Gruppe tritt auch bei anderen Großveranstaltungen in Wilhelmshaven regelmäßig auf und ganz selbstverständlich sind die Tänzerinnen und Tänzer mit Behinderung inzwischen auch auf allen großen Tanzshows der Tanzschule mit dabei. Ein schöner Beleg für soziales Engagement und für die gelungene Inklusion von Tänzerinnen und Tänzern in den Alltag der Tanzschule. ADTV Tanzlehrer Gunnar von Oehsen ist immer wieder beeindruckt von seinen Schülern: „Es ist einfach supertoll, was man aus so einer Tanzstunde für sich selber mitnehmen kann und wieviel man von den Leuten für seine Arbeit zurückbekommt!“

Kontakt:

Tanzschule von Oehsen
Knorrstr. 9
26384 Wilhelmshaven
Tel: +49 4421 993245
Fax: +49 4421 993246
E-Mail: vonoehsen@t-online.de
www.tanzschule-von-oehsen.de

Tanzschule Hey

Die ADTV Tanzschule Hey in Lemgo arbeitet seit 25 Jahren mit der Lebenshilfe Bielefeld zusammen. Lange bevor die Aktion „Over the bridge“ ins Leben gerufen wurde, begann das Engagement, damals noch unter dem Schlagwort Integration von behinderten Menschen in dieser ADTV Tanzschule. Mittlerweile starten die Kurse im halbjährlichen Rhythmus und Menschen mit Behinderung, gehen hier mittlerweile ganz selbstverständlich und inklusiv ein und aus. So sind immer wieder Jugendliche aus den Schülerkursen dabei, die in den Kursen mittanzen. Sehr inklusiv geht es seit anderthalb Jahren in den verschiedenen Kinderkursen zu, dort tanzen mittlerweile mehrere Mädchen mit Down-Syndrom. Bei den Erwachsenen sind es überwiegend Körper- und geistig eingeschränkte Teilnehmer, die sich in den Adipositas-Gruppen gut aufgehoben fühlen. Die jüngste Teilnehmerin ist 6 Jahre und der älteste 54 Jahre alt.

Eine besondere Auszeichnung hat die Tanzschule Hey für ihre Arbeit im Jahr 2005 vom nordrheinwestfälischen Familienministerium erhalten. Für das Projekt „Tanzen als soziales Engagement“ wurde ihr der „ENTERPreis“ verliehen.

Kontakt:

Tanztreff Hey
Margret Hey
Herforder Straße 43-45
32657 Lemgo
Tel: +49 526112877
E-Mail: info@tanz-treff-hey.de
www.tanz-treff-hey.de

Hier erfahren Sie mehr über das Projekt der Woche.

Zu den bisherigen Projekten der Woche gelangen Sie hier.

 

Foto: Tanzschule Hey
Enthalten in

Region: Bundesweit | Sparte: Tanz | Thema: Altersübergreifend | Textsorte: Projekt der Woche |