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#05: Kultur.Forscher! Ästhetische Forschung auf dem Flugplatz und im Museum

03.02.2014
Aeronauten im Hangar Bonames, Frankfurt / Foto: Katrin Bahlmann, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung
Aeronauten im Hangar Bonames, Frankfurt / Foto: Katrin Bahlmann, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Wie stelle ich mir den Raum vor? Wie erlebe ich den Raum? Durch welche Impulse verändert er sich? Wie kann ich einen Raum darstellen, den ich höre, aber nicht sehe?

Mit diesen und anderen Fragen setzen sich die Siebtklässler der Frankfurter Helmholtzschule das ganze Schuljahr über auseinander. Denn, so erläutert Omar aus der 7a: „Wir sind Kultur.Forscher! und wer forscht, der braucht viele Fragen." Bei einem eintägigen Impulsworkshop auf dem Alten Frankfurter Flugplatz Bonames kommen die Siebtklässlern der Frankfurter Helmholtzschule einem Thema näher, das sie das gesamte kommende Schuljahr über beschäftigen wird: Raum. „Der Hangar eignet sich gut, weil er als Raum relativ schnell zu begreifen ist und sich doch von allen anderen Räumen, die sie kennen, unterscheidet“, sagt Kunstlehrerin Tina Baumung.

Als Kultur.Forscher! setzen sich Schülerinnen und Schüler aktiv mit kulturellen Aspekten ihrer Lebenswelt auseinander. Die PwC-Stiftung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung haben das Programm 2008 gemeinsam ins Leben gerufen. Es lädt Jugendliche ein, eigene Fragen zu stellen und selbstständig mithilfe vieler Methoden nach Antworten zu suchen: Sie recherchieren, beobachten, befragen, sammeln, arrangieren, filmen, malen oder beschreiben. Dabei holen sie sich Anregungen von Künstlern, Historikern, Soziologen oder anderen Experten. Auf ihrer kulturellen Forschungsreise tauschen sie sich immer wieder über ihre Erfahrungen aus, präsentieren ihre Ergebnisse – und stellen neue Fragen.

Hilfestellungen wie ein Rollenspiel oder ein anschließendes Gespräch darüber, was eine „richtige“ Frage eigentlich ausmache, erleichtern den Schülerinnen und Schülern den Einstieg – nicht nur in das Thema, sondern auch in die Ästhetische Forschung. Denn es klingt einfacher als es ist, sich einen Forschungsgegenstand ausgehend von eigenen Ideen, Lebenswelten und Interessen zu erschließen. „Die Kinder müssen dazu erst einmal Vertrauen in ihre eigene Fragefähigkeit entwickeln. Schließlich sind sie es ja gewohnt, von morgens bis abends von Lehrern etwas gefragt zu werden“, sagt Tina Baumung, deren Einsatz es zu verdanken ist, dass die Helmholtzschule seit Herbst 2011 am Kultur.Forscher!-Programm teilnimmt. Zunächst, berichtet Tina Baumung, seien mit unterschiedlichen Jahrgängen „kleinere Formate“ ausprobiert worden. So waren etwa verschiedene Klassen im Museum für Moderne Kunst Frankfurt zu Gast – neben dem Schauspiel Frankfurt einer der beiden außerschulischen Partner des Gymnasiums. Tina Baumung ist heute noch begeistert davon, wie die Schülerinnen und Schüler sich dank der forschenden Herangehensweise etwa den Videoarbeiten, Skulpturen und Klanginstallationen von Douglas Gordan annäherten, „kein einfacher Künstler“.

Mit Beginn des neuen Schuljahrs war es dann endlich so weit: Kultur.Forscher! wurde ein fester Bestandteil des Stundenplans für die Klassen 7a und 7b. Nun ist jeder Donnerstag Kultur.Forscher!-Tag. Sechs Stunden lang beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler immer wieder mit ihrem Thema „Raum“. An diesem Tag forschen die Jugendlichen in beiden Klassen fächerübergreifend im Deutsch-, Kunst-/Musik-, Englisch- und Sportunterricht.

Der Tag auf dem Alten Flugplatz wird die Kultur.Forscher! von der Helmholtzschule noch länger beschäftigen. Im Deutschunterricht sollen alle notierten Fragen sortiert und gewichtet werden: Welche kann man schnell beantworten und welche sind tragfähiger – und warum? Im Kunstunterricht wird Tina Baumung den Tag mit unterschiedlichen ästhetischen Mitteln darstellen lassen: „Dann werden wir genauer sehen, welche Themen sie wirklich beschäftigt haben.“ Und weil es alle als sehr befriedigend erlebt hätten, den Raum aus Sicht eines Experten zu untersuchen, könne man Ähnliches auch im Museum ausprobieren. Auch auf sozialer Ebene sei diese Veranstaltung wichtig gewesen, findet Tina Baumung. Alle hätten sich auf eine Art und Weise kennenlernen können, wie es in der Schule kaum möglich sei. Die Jugendlichen hätten jetzt eine genauere Vorstellung davon, wo es im kommenden Jahr hingehen werde, und hätten dafür eine vertrauensvolle Basis erhalten. Und die Lehrkräfte wüssten, welche Fragen die Kinder beschäftigen.

Höhepunkte des Schuljahres waren zum einen eine Veranstaltung, bei der die Schülerinnen und Schüler beider Klassen sich gegenseitig ihre bisherigen Prozesse und Ergebnisse präsentierten. Zum anderen waren die Siebtklässler die Experten, als sie während der hessischen Kultur.Forscher!-Woche Schülerinnen und Schüler aus anderen Kultur.Forscher!-Schulen bei Workshops anleiteten. Im Museum für Moderne Kunst führten sie ihre Gäste zu von ihnen ausgewählten Werken und initiierten einen Vorstellungsbildungsprozess, bei dem das bewusste Erleben der Kunstwerke im Zentrum stand. Im Schauspiel leiteten sie ihre Gäste an, zu selbst aufgenommenen Klängen und Geräuschen Assoziationen zu entwickeln und in kleinen Szenen sichtbar zu machen.

Bei solchen Kultur.Forscher!-Aktionen wird deutlich, was die Arbeit im Programm ausmacht: Schulen kooperieren mit Kulturinstitutionen und Lehrkräfte entwickeln gemeinsam mit Experten aus dem Kulturbereich Vorhaben und Projekte, in denen Kinder und Jugendliche kulturelle Phänomene erforschen. Aber nicht die Lehrer oder die Kulturpartner, sondern die Schülerinnen und Schüler selbst sind die Kapitäne auf diesen Entdeckungsreisen: Sie stellen die Fragen, sie bestimmen den Weg und das Ziel. So haben sie die Möglichkeit, ihren ganz eigenen Zugang zu Kunst und Kultur zu finden, und erproben forschendes Lernen im kulturellen Bereich als Methode. Ziel des Programms ist es, die Methode der Ästhetischen Forschung in der Schule zu verankern und dadurch Schulentwicklungsprozesse zu unterstützen.

Kultur.Forscher! ist ein gemeinsames Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur, das 2008 gestartet ist. 24 Schulen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen nehmen zurzeit an dem Projekt teil.

Weitere Informationen zum Programm erhalten Sie hier.

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Aeronauten im Hangar Bonames, Frankfurt / Foto: Katrin Bahlmann, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung
Aeronauten im Hangar Bonames, Frankfurt / Foto: Katrin Bahlmann, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung
Enthalten in

Region: Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen | Sparte: Interdisziplinär | Thema: Schulische Bildung | Textsorte: Projekt der Woche |